Das sind goldene Worte für alle Stätten und Stellen, wo man zu rechten, zu raten und zu taten hat: Sein Wort züchtigen, d. h. in Zucht zu halten, ist eine passende Mahnung auch für die jetzige Bestimmung des Saales, für die Stadtverordnetensitzungen.
An Sprüchen und Schildereien hatten die alten Freiberger viel Freude, und manches Sprüchlein auch im Rathause ist längst dahingeschwunden. So stand mit feinem Humor über einem Schreiberstüblein, in dem auch »etliche besondere Acta ordentlichen verwahret« wurden, der Satz: »Nunquam recte regetur Respublica nisi ordine regatur.« Niemals wird ein Staat richtig regiert werden, wenn er nicht durch Ordnung regiert wird. Wie mögen die in der Kopistenstube regierenden Schreiberlein da Ordnung in ihrem Aktenstaate gehalten haben! –
Der obere Rathaussaal war im Mittelalter zugleich die Rüstkammer, in der die Armbrüste, lederne Schilde und andere Waffen hingen.
Es waren dies die Waffen gegen äußere Feinde, welche stets zur Hand und gebrauchsfertig sein mußten.
Im unteren Rathausflur hingen die Waffen gegen einen anderen grimmigen Feind, der öfter die Stadt zerstörte und vielen einzelnen Bürgern schweren Schaden zufügte, das Feuer. Zu Hunderten hingen Feuereimer aus Leder an der schweren Balkendecke, viele mit Zeichen und Malereien oder Verschen geschmückt. Aus dem Spittel wird uns solch Feuereimerverslein überliefert:
»Im Fall der Noth, da Gott vor sei,
muß jeder haben ihrer zwei
oder einen rechten großen.«
Daß auch in neuerer Zeit die Freude an Spruch und Reim nicht ganz erstorben ist und hie und da auch heute noch am Haus oder Tür ihren Ausdruck findet, ist nur zu begrüßen. Wer mag sich nicht freuen über die sinnigen, fein empfundenen Verse, die über einer Gartenpforte stehen, die man als Inschrift über jede Kleingartenanlage setzen könnte:
»Mein Garten dünkt mich kindisch klein,