Nur die kleine Grille singt.
Duft von Heu schwimmt überm Grunde,
Und wo froh die Sichel klingt,
Geht des Tages müde Stunde.«
So breitet sich schwermütiger Zauber über viele der alten Halden, der dich gefangennimmt, wenn du dich stille zur rechten Stunde ihnen nahst.
Doch in manche der alten Berggebäude ist neues Leben eingezogen, arbeitet und kämpft mit vorwärts gerichtetem Blick und greift auf jahrhundertealtem Arbeitsgrunde kühn in die Zukunft und in die Welt, das Alte mit neuem Geiste erfüllend. Auf der riesigen Halde des David-Richtschachtes wachsen mächtige Bauten empor, in welchen zur Flachsbereitung zahlreiche fleißige Hände sich regen. Wie eine stolze Burg der Industrie auf riesenhaftem Sockel reckt sie sich auf. Auf dem Abraham- und auf dem Turmhofschachte regen Maschinen die stählernen Gelenke. Und dort auf der Reichen Zeche, die hoch und beherrschend die Landschaft krönt, regt sich in den alten Gebäuden das frische Leben der Wissenschaft, wächst und schafft sich neue Bauten und Stätten der Arbeit. Die Bergakademie hat hier für Arbeit und Forschung, Lehre und Übung fest ihren Fuß auf alten bergmännischen Boden gesetzt, aus dessen Berührung ihr immer neue Kräfte zuwachsen. Das modernste Wissen von der Braunkohle und der Maschine, der Glaube an die Zukunft und das Hoffen haben ihre Fundamente gelegt auf den festen Grund bergmännischer Vergangenheit, Treue und Tüchtigkeit.
Und auf dem Dreibrüderschacht und auf dem Konstantinschacht sind aus den alten Grubengebäuden Kraftwerke geworden. Unten in der Tiefe des Schachtes im mächtigen, gewölbten, unterirdischen Felsensaal von 20 m Länge und 12,5 m Breite sausen die Turbinen 230 m unter Tage, getrieben von den auf diese Tiefe verfällten Aufschlagwässern, welche früher dem Bergbau dienten. Wie eherne Sehnen und Nerven ziehen sich die Drähte vom Schachte als Kraftmittelpunkt durch das Land und spenden Kraft und Leben tausend surrenden Rädern und Maschinen, tausend fleißigen Händen, Licht in tausend Dunkelheiten.
Braust hier auf diesen Halden das Leben modernster Arbeit und schmückt sie mit neuem Reiz und einer Wirkung von besonders eigenartiger Kraft, so liegt über anderen Stätten des Bergbaues, wo neues Leben eingezogen ist, ein inniger poetischer Hauch wie aus Märchenzeiten.
Durch den Hochwald, den duftenden, grünen Freiwald wanderst du dahin. Ein eigener Gedanke ist es, daß hier tief unter den Wurzeln der ragende Fichten einst das Silber wuchs, daß hier, wo jetzt der Wald seine grünen Geheimnisse rauscht, vor fernen Tagen der Knappe sein Glück suchte, in dunklen Schächten und Gängen das Silber grub, Halden türmte und seine Mauern und Giebel schichtete und richtete.