So wurde aus der Heimstätte für befreite Sklaven eine Heimstätte für diese Gebundenen des Geistes und ist es bis heute geblieben. In immer steigendem Maße hat sie sich das Vertrauen aller umliegenden Stämme erworben. Oft Tagereisen weit werden die Kranken gebracht, manchmal noch mit Fesseln aus Lianen gebunden, aber doch nicht mehr, um sie dem Tode auszuliefern, sondern in der Hoffnung, sie einmal genesen wiederzubekommen. Aus den befreiten Sklaven und ihren Frauen sind einige der bewährtesten und treuesten Pfleger und Pflegerinnen geworden, die furchtlos sich in die kleinen Zellen der armen Tobenden hineinwagen und sie mit der Ruhe und Gelassenheit versorgen, in der sie vielfach uns unruhige Europäer übertreffen.
Gleichzeitig hat sich rings um die Station her in kleineren und größeren Niederlassungen eine Christengemeinde aus den Waschambalas gesammelt, die wie eine warme, schützende Mauer die Pflegestätte der Geisteskranken umgibt.
Diese Heimat der Geisteskranken ist begreiflicherweise ein besonders geliebtes Pflegekind der Gemeinde der Kranken von Bethel und ihrer Pfleger und Pflegerinnen geworden. Als der Oberpfleger Lutindis aber steht in unserer Mitte der, dem Vater diese Arbeit besonders ans Herz gelegt hat, unser lieber Bruder zur Heiden. Schon als Hausvater des Hauses Zoar, wo er manchen Kandidaten in den Dienst an den blöden Knaben einführte, hatte er die Fürsorge für Lutindi als Nebenaufgabe übernommen. Und als „Fürst von Zoar”, wie er nach der alttestamentlichen Geschichte von seinen Kandidaten genannt wurde, waltet er noch immer seines Pflegeamtes an Lutindi; der einzige der deutschen Fürsten, wie er selbst feststellte, an den kein Umsturz sich bis jetzt heranwagte.
Wenn auch die hohen Hoffnungen des Afrika-Vereins mit seinen ganz Zentral-Afrika umspannenden Kulturplänen zunächst unerfüllt blieben: in Lutindi ist Saat für die Zukunft ausgestreut. Denn hier ist ein Vorbild geschaffen, wie unter Führung eines Unstudierten, der aber Herz und Kopf auf dem rechten Fleck hat, und seiner gleichgesinnten tapferen Frau ein Brennpunkt entstehen kann, der das Licht und die Kraft barmherziger Liebe bis in weite Fernen trägt. Wenn es der Bethel-Gemeinde vergönnt war, bald da, bald dort ein Licht im dunkeln Afrika anzuzünden, so habe ich während der unvergeßlichen Zeit afrikanischer Arbeit keinen Ort gefunden, der so sehr an die Muttergemeinde in Bethel erinnerte, als — wie Vater sie so gern nannte — „die herrliche Höhe Lutindi”.
[Die Ausgestaltung.]
Als Pastor der Gemeinde.
Die Aufgaben, die sich auf Vaters Schultern legten, sah er nie an als bloß ihm persönlich, sondern als der ganzen Gemeinde gegeben. Er konnte und wollte seine Arbeit nicht tun ohne ihre innere Zustimmung und Mithilfe. Darum blieb die Gemeinde immer der Kern seiner Tätigkeit, und die Verkündigung und Pflege der göttlichen Wahrheit in der Gesamtheit und an den einzelnen hat er für sich und seine Mitarbeiter immer als den eigentlichen Mittelpunkt angesehen.