16. 12. 91.

Meine geliebten Kinder!

Wie freue ich mich, daß Ihr auch in diesem Jahre wieder treu gewesen seid. O ja, Treue ist eine ganz besonders köstliche Sache vor Gott. Er wolle Euch alle acht treu machen in allen Stücken, in der Liebe zu Gott und zu Euren lieben Eltern, aber auch in der Liebe zum Nächsten. Er wolle Euch treu machen im Gehorsam, treu in der Arbeit, treu im Glauben bis ans Ende. Wie freue ich mich auch, daß ich am Weihnachtsabend unsern lieben Kranken sagen kann, daß Ihr wiederum um ihretwillen ein Jahr willig den süßen Zucker entbehrt habt, um ihnen ein fröhliches Weihnachtsfest bereiten zu helfen. Ich schicke Euch hiermit einige Büchelchen und Bildchen von unserer Anstalt. Grüßt mir auch Euren lieben Vater und Eure liebe Mutter und dankt ihnen auch herzlich, daß sie zu Eurer Gabe das gleiche zugelegt haben.

Es gedenkt Euer in dankbarer Liebe Euer

B.

An Fabrikarbeiter in Iserlohn.

18. 12. 91.

Unter den mancherlei schmerzlichen Erfahrungen von Gleichgültigkeit gegen die Not der Brüder ist es mir eine ganz besondere Ermunterung und Stärkung in unserer Arbeit gewesen, daß in Iserlohn unter denen, die selbst nicht reich an Gütern dieser Welt sind, ein solches Liebesfeuer erwacht ist, an unsere armen Kranken zu denken. Wer selbst arm ist, weiß auch am besten, wie es andern Armen zu Mute ist. Ich will unter dem Weihnachtsbaum unsern Kranken erzählen, was Iserlohner Fabrikarbeiter für sie tun. Das wird unsere Kranken erfreuen und beschämen und dazu dienen, daß sie desto stiller und geduldiger ihr schweres Leiden tragen.

Es grüßt Sie alle in dankbarer Liebe und wünscht Ihnen ein reich gesegnetes, friedevolles Weihnachtsfest

Ihr B.