Liebe Dorothea, liebe Gertrud!
24. 12. 91.
Ich habe Euer kleines Paket bekommen und danke Euch herzlich für die 10 Mark, die Ihr für 10 Liter Wasser Euch gespart habt. Und ganz besonders danke ich Gertrud für das Hemdchen, das sie in der Schule genäht hat. Ich will es heute gleich nach dem Kinderheim tragen. Da will ich es einem kleinen schwarzen Heidenkind schenken, das vier Jahre alt ist und dem es gerade paßt. Es ist schade, daß Ihr heute nicht einmal eine Stunde in Bethel sein könnt. Da würdet Ihr etwas sehen, was Ihr noch nie gesehen habt. Da werden viele, viele hundert Kinder und Kranke an dem schönen Kripplein um den Weihnachtsbaum versammelt sein und viele schöne Lieder singen, und am Schluß wird die kleine Heidin, der ich das Hemdchen schenken will und die jetzt Fatuma heißt, getauft werden. Ein schwarzer Soldat hatte sie in Afrika gestohlen und wollte sie wie den kleinen Joseph nach Ägyptenland verkaufen. Das hat der Schiffskapitän gemerkt und sie dem Soldaten abgenommen und uns mitgebracht. Und die kleine Fatuma hat sehr schnell den Heiland liebgewonnen und ist sehr fleißig und treu im Kinderheim, die andern kranken Kinderchen zu pflegen. Nun soll sie heute abend den Namen Elisabeth bekommen.
Es grüßt Euch und Eure lieben Eltern
Euer dankbarer
4. 1. 92.
Mein teurer und geliebter Bruder und väterlicher Freund!
Ihre Simeonsgabe habe ich richtig erhalten, und unsere Kranken danken auch für diese Liebe auf das herzlichste. Der barmherzige Gott wolle den Spätabend Ihres Lebens, wo die irdische Sonne nicht mehr leuchten will, mit dem Morgenrot seines ewigen Lichtes hell machen, bis der Tag anbricht, dem kein Tag gleicht und wo alles, was hier noch dunkel ist, sich in volles Licht verwandelt.
In alter dankbarer, treuer Liebe