Ihr B.

An den wenigen Feierabenden, die ihm blieben, ließ er sich von uns vorlesen und unterschrieb währenddessen die Dankkarten. Es war oft nur ein einziger Satz, aber es lag ein Ton darin, der bis in den Grund der Seele wohltat.

Wer aber einmal in den Kreis der Freunde und Mitarbeiter eingetreten war, und wenn es auch nur mit der kleinsten Gabe gewesen wäre, dessen Liebe wurde festgehalten und gepflegt. „Lassen Sie mich Ihre Hand recht fest fassen”, so bat Vater immer wieder. Aber er konnte das nur, weil ihm viele treue Hände zur Seite standen. Wie die Baseler Mission ihm für die geschäftliche Leitung der Anstalt immer wieder Mitarbeiter gab, deren Treue und Tüchtigkeit auf dem indischen und afrikanischen Missionsfelde erprobt war — welche Fülle unermüdlichster Arbeit schließen auf diesem Gebiet die Namen Ostermeyer und Kehrer in sich! — so war es die Barmer Mission, durch die Missionar Heienbrok nach Bethel kam. Als Leiter des „Dankortes” blieb Heienbrok, unterstützt von einem Stabe treuer Mithelfer, immer erfinderisch, den Kreis der Freunde im Lande zu pflegen und sie durch die Schriften, die vom Dankort ausgingen, immer fester und enger an die gemeinsame große Aufgabe zu fesseln.

Die letzte Bitte, die Vater durch den Dankort aussandte, hieß:

Weihnachten!

Ein von 37 Jahre langem Bitten fast müder Mann, der dicht vor seinem 80. Lebensjahr steht, stellt sich notgedrungen noch einmal an die Spitze seiner großen Schar von Fallsüchtigen, Geisteskranken, Obdachlosen und verlassenen Kindlein und bittet in ihrem Namen: Vergeßt unser auch zu Weihnachten nicht!

Unter unsern nahezu 4000 Pflegebefohlenen haben viele niemand mehr, der zu Weihnachten an sie denkt. Darum darf ich ganz besonders für sie meine Hände ausstrecken nach den alten treuen Mithelfern unserer Weihnachtsfreude!

Ich freue mich, daß ich noch einmal diese vielleicht letzte Bitte für meine lieben Pflegebefohlenen wagen darf, und bin dankbar auch für die kleinste Gabe. Auch Spielsachen, Wäsche, Kleider, überhaupt Gaben jeglicher Art sind, je früher desto lieber, mit Freuden willkommen.

Es grüßt alle treuen Freunde in allen Landen, die im Namen des großen Freudenmeisters Herzen und Hände regen für unseres kranken, aber doch fröhlichen Weihnachtsgäste, und wartet auf die Stunde, wo die ewige große Weihnachtsfreude anbricht,

F. v. Bodelschwingh, P. em.