Ew. Exzellenz würden einen hellen Lichtstrahl auf das letzte Stück meines Pilgerlebens werfen, wenn Sie dieser meiner Bitte ein gnädiges Ohr schenken und vielleicht schon bald einen Besuch in Hoffnungstal zur Ausführung bringen könnten. Ob ich noch selbst in der Lage sein werde, Ew. Exzellenz persönlich durch Hoffnungstal zu führen, steht dahin, da mein Körper seit einem im Frühjahr erlittenen Schlaganfall unter immer erneuten Erschütterungen zu leiden hat. Ich würde aber dann meinen Sohn, der genau mit allen einschlägigen Fragen vertraut ist, an meiner Statt entsenden. Noch bemerke ich, daß ich den gleichen Gedanken auch dem Oberhofmarschall Seiner Kaiserlichen Hoheit des Kronprinzen unterbreitet habe, damit auch die Aufmerksamkeit des Thronfolgers auf diesen Gegenstand gelenkt wird und er womöglich ebenfalls zu einem Besuch in Hoffnungstal Anlaß nimmt. Ich habe dabei Graf Bismarck-Bohlen darauf aufmerksam gemacht, daß in der in unmittelbarster Verbindung mit der hiesigen Anstalt geleiteten Kolonie Freistatt, Kr. Sulingen in Hannover, neuerdings das System der Einzelquartiere nach den neuesten Modellen zur Ausführung kommt und daß es nach Fertigstellung der Bauten in diesem Frühjahr für Seine Königliche Hoheit den Kronprinzen, der Protektor unserer hiesigen Arbeiter-Kolonien ist, vielleicht noch wertvoller sein würde, diese neuesten Einrichtungen zu besichtigen.
Gott aber schenke Ew. Exzellenz ein tapferes Herz und einige entschlossene Mitarbeiter, damit diese große Sache zu einem fröhlichen Sieg kommt. Das wäre allerdings ein Sieg, der, mitten im Frieden erfochten, vor Gott höher gilt und für unser ganzes Vaterland bedeutsamer ist als irgend ein Sieg, der in einem irdischen Krieg erfochten werden kann.
Euer Exzellenz gehorsamster
F. v. Bodelschwingh, p. em.”
Am 6. März, gerade an Vaters Geburtstag, kam die ersehnte Antwort:
„Berlin, den 1. März 1910.
Euer Hochehrwürden
beehre ich mich für die Anregung im Schreiben vom 8. Februar 1910 auf Schaffung von Einzelstübchen für Soldaten meinen verbindlichsten Dank auszusprechen. Obwohl ich nicht verhehlen kann, daß die Durchführung der Anregung sowohl finanziellen wie militärischen Bedenken begegnet, bin ich doch gern bereit, in eine nähere Prüfung der angeregten Frage einzutreten und zu diesem Zwecke zunächst Vertreter der interessierten Abteilungen des Kriegsministeriums zu einer Besichtigung der Kolonie Hoffnungstal zu entsenden.
Euer Hochehrwürden würde ich für eine kurze — am besten an das Armee-Verwaltungs-Departement zu richtende — Mitteilung, welcher Zeitpunkt für die Besichtigung am geeignetsten wäre, verbunden sein.