Der Kriegsminister: von Heeringen.”

Am andern Tage antwortete Vater:

„Euer Exzellenz

darf ich die Mitteilung machen, daß nächst dem huldvollen Telegramm der Majestäten zu meinem gestrigen Eintritt in das 80. Dienstjahr mir nichts solche große Freude gebracht hat als Ew. Exzellenz Schreiben vom 1. März, das ebenfalls gestern zu meinem Geburtstage in meine Hand kam.

Ich bin mir wohl bewußt, daß der Verbesserung der Wohnungsverhältnisse unserer Armee sehr große Hindernisse entgegenstehen und daß vielleicht eine Reihe von Jahren hingehen werden, ehe mein Vorschlag zur Ausführung gelangen kann. Aber was Ew. Exzellenz bereits an Hoffnung für die große Sache mir bieten, übersteigt schon weit meine Erwartungen, sodaß ich nur mit Freudentränen Ihr gütiges Schreiben lesen konnte. Ich werde nun sofort den von Ew. Exzellenz angezeigten Weg einschlagen und mich, sobald ich mich mit der Verwaltung von Hoffnungstal verständigt habe, an das Armeeverwaltungsdepartement wenden und Mitteilung über den geeigneten Zeitpunkt machen. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, daß mir der barmherzige Gott noch die Freude schenkt, persönlich nach Hoffnungstal zu kommen und für diesen Dienst, den ich für den Rest meines Lebens als den wichtigsten ansehe, noch meinen bescheidenen Rat und meine Kraft darbieten zu können.

Ehrerbietigst Ew. Exzellenz dankerfüllter treu ergebener
F. v. Bodelschwingh, p. em.”

Zugleich mit der Hoffnung, dem armen unglücklichen Kongo mit den Sendboten von Bethel aus noch dienen zu können, kam es bei dem Gedanken an die Neugestaltung der Kasernen wie ein letztes frohes Abendleuchten über den geliebten Vater. „Sechs Jahre”, sagte er, „möchte ich noch leben, dann habe ich die Sache durch.” — Doch wenige Tage darauf trugen wir ihn zu seiner letzten irdischen Ruhe.

Ein Offizier aber, mit dem Vater über die Frage der Einzelquartiere in den Kasernen Briefe gewechselt hatte, schrieb: „Es kennzeichnet das Wesen des unvergleichlichen Mannes, daß seine letzte Sorge den Soldaten galt. Die Frage der Einzelquartiere für die Soldaten, so hoffe ich, geht nicht verloren. Wer das Wesen der militärischen Ausbildung in der Charakterbildung des Mannes sieht, muß Feuer und Flamme dafür sein.”