Erzielen. Ausschließlicher Ersatz für erreichen. Erreicht wird nichts mehr; Nutzen, Gewinn, Vorteil, Ergebnisse, Erfolge, alles wird erzielt.

Führen. Statt hervorragen, Bahn brechen, den Ton angeben. Man spricht nur noch von führenden Geistern, Denkern, Persönlichkeiten, Kunstschriftstellern, Chirurgen, von der führenden Presse, von Leuten, die eine führende Stelle oder Stellung einnehmen, eine führende Rolle spielen, und Henckell Trocken ist die führende Marke! Bei hervorragen sah man gleichsam eine stillstehende Reihe oder Gruppe vor sich; bei führen sieht man die ganze Bande marschieren, und zwar im Gänsemarsch.

Im Gefolge haben. Modephrase für: zur Folge haben. Bisher hatte nur ein Fürst ein Gefolge; jetzt heißt es: die Not hat Unzufriedenheit im Gefolge – Reformen, die die Schmälerung des Profits im Gefolge haben könnten – anarchistische Bestrebungen, die reaktionäre Maßregeln im Gefolge haben – der Fall hatte eine fünfjährige Freiheitsstrafe im Gefolge – es ist nicht zu verkennen, daß die Preßfreiheit auch schwere Schäden im Gefolge hatte. Man überlege sich nur, was für Unsinn man da hinschreibt!

Gestatten. Feiner Ersatz für erlauben, das ganz ins alte Eisen geworfen ist. Hat aber seine Laufbahn ziemlich rasch zurückgelegt. Auch der Handlanger sagt schon, ehe er einem auf die Füße tritt: Gestatten! so gut wie er schon die Zigarette nachlässig zwischen den Lippen hängen hat. Wo bleibt nun die Feinheit?

Landen für ankommen. Anfangs als Scherz, jetzt aber in vollem Ernst geschrieben: als Schiffbrüchiger landete er in Rom – 1842 war Wagner nach langer Wanderung in Dresden gelandet (wahrscheinlich kam er mit dem Schandauer Dampfschiff).

Rechnung tragen. Beliebte Phrase des Kanzleistils und bequemer Ersatz für alle möglichen Zeitwörter und Redensarten: wir sind bemüht, diesen Beschwerden Rechnung zu tragen (abzuhelfen!) – Ihrem Wunsche, den Gebrauch der Fremdwörter einzuschränken, werden wir gern Rechnung tragen (erfüllen!) – es finden sich Bearbeitungen von den einfachsten bis zu den schwierigsten, sodaß allen Vereinen Rechnung getragen ist (Rücksicht genommen!) – es war zu erwarten, daß das Volk durch eine Landestrauer seinen Gefühlen Rechnung tragen würde (Ausdruck geben!) – dieser Auffassung haben wir auch Rechnung getragen (bestätigt!) – wie wenig die Verwaltung diesem Grundsatz Rechnung getragen hat (gefolgt ist!).

Schreiten, beschreiten, verschreiten. Für gehen oder sich wenden. Man schreitet, oder noch lieber: man verschreitet zur Wahl, zur Abstimmung, zur Veröffentlichung, zur Operation, ja sogar zum Aufgießen des Tees. Fürsten gehen nie, sie schreiten immer: der Kaiser schritt zunächst durch die Sammlung der Musikinstrumente. Aber auch: die Maori schreiten unaufhaltsam ihrem Untergang entgegen – immer mit gehobnen und gestreckten Beinen, wie die Rekruten auf dem Drillplatze.

Tragen. Feierlicher Ersatz für bringen: wir tragen dem Kaiser Liebe und Vertrauen entgegen. Nur schade, daß man einem nur etwas in den Händen oder auf einem Präsentierteller entgegentragen kann, in seinem Innern aber doch nur entgegenbringen. Ganz besonders aber ist getragen sein jetzt beliebtes Spreizwort für erfüllt sein: von künstlerischer Überzeugung getragen – von patriotischer Wärme getragen – von religiöser Gläubigkeit getragen – von wissenschaftlichem Ernst getragen – von düsterm Pessimismus getragen – eine von hoher Begeisterung getragene Rede – eine fesselnde, von staunenswerter Belesenheit getragene Darstellung – eine von froher Geselligkeit getragene Veranstaltung – die geräuschlose, von warmer Fürsorge für die Jugend getragene Arbeit – der Kommers nahm einen von echt studentischem Geiste getragenen Verlauf – der Empfang des Kaisers war von herzlicher Begeisterung getragen usw. Man muß immer an einen Luftballon denken.

Treten. Ebenso beliebt wie schreiten. Einer Frage wird näher getreten, das Ministerium ist zu einer Beratung zusammengetreten, und besonders gern wird in etwas eingetreten: Arbeiter treten in einen Streik, sogar in einen Ausstand ein, eine Versammlung tritt in eine Verhandlung ein, der Reichskanzler ist in ernstliche Erwägungen eingetreten, und der Gelehrte schreibt: ich will auf dieses Gebiet hier nicht näher eintreten – ich mag hier nicht in den Streit über die Bedeutung Hamerlings eintreten. Das schönste aber ist: in die Erscheinung treten (statt erscheinen oder zur Erscheinung kommen): es ist bei dieser Gelegenheit scharf (!) in die Erscheinung getreten (es hat sich deutlich gezeigt) – dabei tritt das Gesetz in die Erscheinung (dabei kann man beobachten) – es zeigten sich Krankheitssymptome, die immer intensiver in die Erscheinung traten – der Zustand der Herzschwäche trat vermindert in die Erscheinung – es handelt sich um eine Krankheit des modernen Lebens, die hier in besonders krasser Weise in die Erscheinung tritt – Unregelmäßigkeiten treten um so mehr in die Erscheinung, je kleiner das Beobachtungsfeld ist – hier tritt nie eine so starke territoriale Zersplitterung in die Erscheinung – das Gesamtleben des Reichs tritt in der Hauptstadt konzentriert in die Erscheinung – das Nachtleben tritt in Berlin weit auffälliger in die Erscheinung – ja sogar der neue Spielplan wird zu Neujahr in die Erscheinung treten. Wie vornehm glauben sich die Leute mit diesem ewigen Getrete auszudrücken, und – wie albern ist es!

Vertrauen. Mit nachfolgendem Objektsatz (!), statt hoffen, glauben, überzeugt sein: das Ministerium vertraut, daß der eingerissene Mißbrauch bald wieder abgestellt sein werde – die Leser können vertrauen, daß wir bei der Feststellung des Textes die größte Vorsicht haben walten lassen.