Hoch. Einzig gebräuchliches Adverb zur Begriffssteigerung folgender Adjektiva: fein, elegant, modern, herrschaftlich, gebildet, gelehrt, verdient, bedeutend, bedeutsam, wichtig, ernst, feierlich, tragisch, komisch, romantisch, poetisch, interessant, erfreulich, befriedigend, willkommen, achtbar, adlich, konservativ, kirchlich, offiziell. Das wird genügen.

Indes oder indessen. Sehr beliebtes Spreizwort für aber, doch, jedoch: heute wurden hier starke Erdstöße verspürt, die indessen keinen Schaden anrichteten – es kam zu Zwistigkeiten, die indes einen günstigen Verlauf nahmen – er hatte das Stück schon vor Jahren verfaßt, indessen unterblieb damals die Aufführung – der Graf wanderte in den Tower; lange dauerte indes seine Haft nicht – bei näherer Prüfung indessen stellt sich R. als interessante Persönlichkeit dar.

Nahezu. Modewort für fast oder beinahe.

Naturgemäß. Aus Berlin (naturjemäß). Hat sich mit lächerlicher Schnelligkeit an die Stelle von natürlich (d. h. selbstverständlich) gedrängt, sodaß man sich, wo es einmal in seiner wirklichen Bedeutung erscheint (die soziale Bewegung ist naturgemäß erwachsen), erst förmlich besinnen muß, daß es ja diese Bedeutung auch noch haben kann. Sonst heißt es nur noch: wir beginnen naturgemäß mit den preisgekrönten Entwürfen – naturgemäß ist die Studentenzeit zum Lernen bestimmt – die Wiedergabe durch Lichtdruck läßt naturgemäß manches unklar – die Sorge beginnt naturgemäß gleich bei der Aufnahme der Lehrlinge – naturgemäß konnte die Stadtbahn nicht durch den glänzendsten Teil der Hauptstadt gelegt werden – naturgemäß ist der Grund der Unsicherheit nicht in allen Fällen der gleiche – die Unbilligkeit verstärkt sich naturgemäß mit jedem Jahre usw. Man redet aber auch schon von einer vernunftgemäßen (!) Auswahl der Schreibfeder, statt von einer vernünftigen – und da nun einmal gemäß Mode ist, so führt auch der Kaufmann wunschgemäß seine Bestellungen aus, und der Unterbeamte erledigt alles mit großem Eifer auftraggemäß.

Rund. Dem Englischen nachgeäfft. Wird jetzt vor alle Zahlen gesetzt, die, wie der Zusammenhang zeigt, selbstverständlich nur runde Zahlen sein können und sollen: der Kandidat der Ordnungsparteien erhielt rund 3200 Stimmen gegen rund 360 Stimmen der Sozialdemokraten – der Ertrag der Sammlung bezifferte sich (!) auf rund 5000 Mark. Ohne rund bekommt man eine Zahl mit Nullen am Ende kaum mehr zu lesen.

Reichlich. Seit kurzem äußerst beliebt für sehr, aber immer nur da, wo es nicht hinpaßt, nämlich in tadelnden Bemerkungen: du kommst reichlich spät, der Kerl ist reichlich dumm. Es fehlt nur noch, daß gesagt würde: er hat reichlich wenig gegeben.

Selten. Beliebtes Adverb zur Steigerung von Eigenschaftswörtern (in dem Sinne von ungewöhnlich, außerordentlich, in seltnem Grade), z. B.: ein Mädchen von selten gutem Charakter – eine selten frische Witwe – ein selten schönes Familienleben – eine selten günstige Kapitalanlage – wir haben selten schönes Wetter gehabt – dieser Weizen gedeiht auf leichtem Boden und liefert selten hohe Erträge – besonders hebe ich die selten naturgetreuen farbigen Abbildungen hervor – die Inhaber dieser Bauernhöfe sind selten fleißige und tüchtige Wirte usw. Nur schade, daß selten eben vor allen Dingen selten bedeutet, und nicht in seltnem Grade, und daß infolgedessen stets das Gegenteil von dem herauskommt, was die Leute meinen. Darüber ist denn auch schon viel gespottet worden, so viel, daß endlich doch auch dem Harmlosesten ein Licht aufgehen müßte.

Unentwegt. Lächerlicher schweizerischer Provinzialismus für fest, beharrlich. Hat seine Rolle ziemlich ausgespielt.

Vielmehr. Ausschließlicher Ersatz für sondern: diese Preisbewegung ist nicht bloß dem Getreide eigentümlich, sie stimmt vielmehr mit den übrigen Ackerbauerzeugnissen überein – der Leser wird nicht mit einem Ballast von Erläuterungen überschüttet, vielmehr halten die Anmerkungen das rechte Maß ein.

Voll und ganz. Modephrase ersten Ranges, die aber ihren Weg wohl bald „voll und ganz“ zurückgelegt haben wird.[164] Sehr beliebt ist es jetzt, voll allein zu gebrauchen (für ganz oder vollständig): dieser Auffassung kann ich voll beipflichten – überall deckt der Ausdruck voll den Gedanken – um die Tiefe seiner Auffassung voll zu würdigen – Künstler, die diese Bedingung voll erfüllen können – die deutschen Gemälde hielten den Vergleich mit den französischen voll aus usw. Auch Zusammensetzungen mit Voll- als Bestimmungswort schießen wie Pilze aus der Erde: Vollbild, Vollmilch, Vollgymnasium, sogar vollinhaltlich: ich kann das vollinhaltlich bestätigen – er mußte das Leben der Gefangnen vollinhaltlich mitleben.