Um elf Uhr frühstückte er, plauderte dann mit Mélie und erschien oft den ganzen Tag nicht wieder.

Um Stücke in der Art dieses Möbels zu bekommen, hatten sich Bouvard und Pécuchet auf die Suche gemacht. Was sie mitbrachten, paßte nicht. Aber sie waren auf eine Menge merkwürdiger Sachen gestoßen. Der Geschmack am Krimskrams war ihnen gekommen, dann die Liebe zum Mittelalter.

Zuerst besuchten sie die Kathedralen, — und die hohen Schiffe, die sich in dem Weihwasser der Becken spiegelten, die Glasarbeiten, die wie Behänge aus Edelsteinen blendeten, die Grabmäler in der Tiefe der Kapellen, das dämmerige Licht der Krypten, alles bis zur Kühle der Mauern erfüllte sie mit einem Schauer der Lust, versetzte sie in religiöse Erregung.

Bald waren sie imstande, die Epochen zu unterscheiden — und voll Verachtung für die Erklärungen der Küster sagten sie: „Ah! eine romanische Apsis! Das ist aus dem zwölften Jahrhundert! Da haben wir wieder den Flammenstil!“

Sie bemühten sich, die steinernen Symbole an den Kapitälen zu deuten, wie die beiden Greifen zu Marigny, die einen blühenden Baum anpicken. Pécuchet wollte in den Sängern mit grotesken Kinnladen, welche die Kranzgesimse von Feugerolles abschließen, eine Satire erblicken, — und die Überfülle des unanständigen Mannes auf einem der Fensterkreuze von Hérouville bewies nach Bouvards Ansicht, daß unsere Voreltern die zotigen Späße geliebt hätten.

Schließlich wollten sie nicht mehr das geringste Zeichen von Geschmacksentartung dulden. Alles war Entartung — und sie jammerten über Vandalismus, schimpften über die Tünche.

Doch der Stil eines Denkmals trifft nicht immer mit dem Datum zusammen, das man dafür ansetzt. Der Rundbogen herrscht noch im dreizehnten Jahrhundert in der Provence vor. Der Spitzbogen ist vielleicht sehr alt! Und manche Autoren bestreiten, daß der romanische Stil vor dem gotischen bestanden habe. Dieser Mangel an Gewißheit ärgerte sie.

Nach den Kirchen studierten sie die festen Burgen: diejenigen von Domfront und von Falaise. Unter dem Tor bewunderten sie die Nuten des Fallgatters, und wenn sie den Gipfel erstiegen hatten, erblickten sie zuerst das ganze Land, dann die Dächer der Stadt, die sich kreuzenden Straßen, die Karren auf dem Platze, die Frauen beim Waschen. Steil stürzte die Mauer bis zum Gestrüpp der Gräben herab, — und sie erblichen bei dem Gedanken, daß hier Menschen, auf Leitern schwebend, emporgeklettert seien. Sie würden sich in die unterirdischen Gewölbe gewagt haben; doch bildete für Bouvard sein Bauch ein Hindernis, und Pécuchet hatte Angst vor Schlangen.

Sie wollten die alten Sitze, Curcy, Bully, Fontenay, Lemarmion, Argouge, kennenlernen. Zuweilen erhob sich im Winkel der Gebäude hinter dem Misthaufen ein Turm aus der Zeit der Karolinger. Die Küche, die Steinbänke hatte, rief Gedanken an feudale Schmausereien wach. Andere zeigten ein durchaus wildes Äußeres mit ihren drei noch deutlich erkennbaren Umfriedigungen, den Schießscharten unter der Treppe, den langen, spitzgedeckten Türmchen. Dann gelangte man in ein Gemach, wo ein Fenster aus der Zeit der Valois, fein gemeißelt wie eine Elfenbeinschnitzerei, die Sonne hereinscheinen ließ, die den auf dem Parkett ausgebreiteten Raps wärmte. Abteien dienen als Scheunen. Die Inschriften der Grabsteine sind verwischt. Auf den Feldern ragt ein einzelner Giebel empor — und ist von oben bis unten mit Efeu überwuchert.

Eine Menge von Dingen erregte ihre Begierde, ein Zinntopf, ein Ring mit einem Straß, großgeblümter Kattun. Mangel an Geld hielt sie vom Einkauf ab.