Da Bouvard ihm George Sand gerühmt hatte, machte sich Pécuchet an die Lektüre von „Consuelo“, „Horace“, „Mauprat“, wurde durch die Verteidigung der Unterdrückten, die soziale und republikanische Seite, die Tendenz mitgerissen.

Nach Bouvards Ansicht verdarb sie die Fiktion, und er verlangte in der Leihbibliothek Liebesromane.

Mit lauter Stimme lasen sie abwechselnd „La Nouvelle Héloise“, „Delphine“, „Adolphe“, „Ourika“. Doch das Gähnen dessen, der zuhörte, steckte seinen Genossen an, der das Buch bald zur Erde fallen ließ.

Allen diesen Büchern machten sie den Vorwurf, daß sie nichts mehr über das Milieu, die Epoche, das Kostüm der Personen sagten; das Herz allein wurde behandelt; immer Gefühle! Als wenn die Welt aus nichts anderem bestände.

Dann versuchten sie es mit humoristischen Romanen, wie die „Reise durch mein Zimmer“ von Xavier de Maistre, „Unter den Linden“ von Alphonse Karr. Bei dieser Art von Büchern wird die Erzählung unterbrochen, damit der Autor von seinem Hunde, von seinen Pantoffeln oder von seiner Geliebten sprechen kann. Zuerst entzückte sie ein solches Sichgehenlassen, dann schien es ihnen dumm, denn der Verfasser schädigt sein Werk, indem er sich mit seiner Person darin breit macht.

Aus Hang zum Dramatischen vertieften sie sich in die Abenteuerromane; die Intrigue interessierte sie um so mehr, je verwickelter, außerordentlicher und unmöglicher sie war. Sie bemühten sich, die Lösung vorauszusehen, wurden darin sehr stark und verloren den Geschmack am spielerisch Leichten, der ernsthafter Geister unwürdig sei.

Balzacs Werk setzte sie in Staunen, denn es war ein Babylon und nahm sich zugleich wie Staubkörner unter dem Mikroskop aus. Von den alltäglichsten Dingen entstand ein neues Bild. Sie hatten nicht vermutet, daß das moderne Leben so tief sei.

„Welch ein Beobachter!“ rief Bouvard aus.

„Ich finde, er ist ein Phantast,“ sagte schließlich Pécuchet.

„Er glaubt an die okkulten Wissenschaften, an die Anarchie, den Adel, ist von den Schurken geblendet, rührt in Millionen herum, als wenn es Centimes wären, und seine Bürger sind keine Bürger, sondern Kolosse. Warum aufblasen, was platt ist, und soviel Dummheiten beschreiben! Er hat einen Roman über die Chemie geschrieben, einen anderen über das Bankwesen, einen dritten über Druckmaschinen. Gerade wie ein gewisser Ricard ‚Der Droschkenkutscher‘, ‚Der Wasserträger‘, ‚Der Kokosnußhändler‘ geschrieben hatte. Wir würden Romane über alle Berufe und alle Provinzen bekommen, dann über alle Städte und die Etagen eines jeden Hauses und jedes Individuum, was keine Literatur mehr wäre, sondern Statistik oder Ethnographie.“