„Vom Geschmack!“

„Worin besteht denn der Geschmack?“

Man definiert ihn als eine besondere Unterscheidungsfähigkeit, ein schnelles Urteilsvermögen, die Überlegenheit, gewisse Beziehungen zu durchschauen.

„Schließlich ist der Geschmack der Geschmack, — und alles das sagt nicht, wie man dazu kommt.“

Man soll das Wohlanständige beobachten, — aber das Wohlanständige zeigt Unterschiede, — und wie vollkommen auch ein Werk sei, es wird niemals einwandfrei sein. Es gibt indessen ein unvergängliches Schönes, über dessen Gesetze wir in Unkenntnis sind, denn seine Entstehung ist von Geheimnissen umhüllt.

Da eine Idee nicht durch alle Formen ausgedrückt werden kann, so müssen wir Grenzen zwischen den Künsten anerkennen, und in jeder Kunst wieder mehrere Unterarten; doch entstehen Mischarten dort, wo man den Stil der einen in die andere übergehen läßt aus Furcht, vom Endzweck abzugeraten, nicht wahr zu sein.

Die zu getreue Anwendung des Wahren schadet der Schönheit; und die Bevorzugung der Schönheit ist dem Wahren hinderlich; indessen, ohne Ideal keine Wahrheit; — deshalb ist der Typus von dauerhafterer Realität als ein Porträt. Zudem geht die Kunst nur auf wahrscheinliche Ähnlichkeit aus, diese jedoch hängt vom Beobachter ab, ist etwas Relatives, Vergängliches.

So verloren sie sich in Spitzfindigkeiten. Bouvard glaubte immer weniger an die Ästhetik.

„Wenn sie kein Schwindel ist, so muß ihre Gesetzmäßigkeit sich an Beispielen erweisen lassen. Nun höre!“

Und er las eine Notiz, die er nach langem Suchen gefunden hatte.