„Bouhours wirft Tacitus vor, er lasse die Schlichtheit vermissen, welche die Geschichte verlangt.“
„Herr Droz, ein Professor, tadelt Shakespeare, weil er Ernstes und Komisches durcheinander mischt. Nisard, ebenfalls Professor, findet, daß André Chénier als Poet unter dem Niveau des siebzehnten Jahrhunderts stehe. Blair, ein Engländer, beklagt bei Virgil das Bild der Harpyen. Marmontel seufzt über die Freiheiten, die Homer sich erlaubt. Lamotte läßt die Unsterblichkeit seiner Helden nicht gelten. Vida entrüstet sich über seine Vergleiche. Kurz, alle diese Verfertiger von Rhetoriken, Poetiken und Ästhetiken scheinen mir Einfaltspinsel zu sein!“
„Du übertreibst!“ sagte Pécuchet.
Zweifel quälten ihn, — denn wenn die mittelmäßigen Geister (wie Longin bemerkt), unfähig sind, Fehler zu machen, so sind die Fehler Sache der Meister, und man sollte sie bewundern? Das ist zu stark! Die Meister sind doch die Meister! Er hätte die Doktrinen mit den Werken, die Kritiker mit den Dichtern in Einklang setzen wollen, die Wesenheit des Schönen erfassen, — und diese Fragen setzten ihm so zu, daß seine Galle davon in Fluß kam. Er bekam eine Gelbsucht.
Sie war in ihrem höchsten Stadium angelangt, als Marianne, die Köchin der Frau Bordin, kam, um Bouvard um eine Unterredung zu bitten.
Seit der dramatischen Sitzung hatte die Witwe sich nicht wieder blicken lassen. — Sollte das ein Annäherungsversuch sein? Doch wozu Mariannens Vermittlung? Und die ganze Nacht hindurch kam seine Phantasie nicht zur Ruhe.
Am folgenden Morgen ging er gegen zehn im Hausflur auf und ab und schaute von Zeit zu Zeit durchs Fenster; die Schelle ertönte. Es war der Notar.
Er durchschritt den Hof, stieg die Treppe empor, setzte sich in den Sessel, und nachdem die ersten Höflichkeiten ausgetauscht, sagte er, daß er vorangegangen sei, müde, Frau Bordin zu erwarten. Sie wünsche Bouvard die Ecalles abzukaufen.
Bouvard überlief es kalt, und er ging in Pécuchets Zimmer hinüber.
Pécuchet wußte nicht, was er antworten sollte. Er war in Aufregung, — da Herr Vaucorbeil jeden Augenblick kommen mußte.