Es war Mittag. Die Sonne strahlte über dem Gelände, das mit gelben Halmen bedeckt war. Ganz in der Ferne glitt langsam die Plane eines Wagens dahin. Eine schläfrige Stille lag in der Luft, — kein Vogelschrei, kein Insektensummen. Gorju hatte sich ein Spazierstöckchen geschnitten und schabte die Rinde davon ab. Frau Castillon erhob ihren Kopf nicht.
Die arme Frau dachte an die Vergeblichkeit ihrer Opfer, an die Schulden, die sie bezahlt, die Verpflichtungen, die sie für die Zukunft eingegangen, an ihren vernichteten Ruf. Anstatt zu klagen, erinnerte sie ihn an die ersten Zeiten ihrer Liebe, als sie ihn jede Nacht in der Scheune aufgesucht hatte, — so daß einmal ihr Gatte, da er einen Dieb vermutete, mit der Pistole aus dem Fenster geschossen hatte. Die Kugel steckte noch in der Mauer. „Von dem Augenblicke an, da ich dich gekannt, bist du mir schön wie ein Prinz erschienen. Ich liebe deine Augen, deine Stimme, deinen Gang, deinen Geruch!“ Leiser fügte sie hinzu: „Ich bin toll vor Liebe zu dir!“
Er lächelte, in seinem Stolze geschmeichelt.
Sie faßte mit beiden Händen seine Flanken und bog, wie in Anbetung, ihren Kopf zurück.
„Mein teures Herz, mein süßer Schatz! meine Seele! mein Leben! Laß sehen, sprich, was willst du? — Geld? Es wird sich auftreiben lassen. Ich war im Unrecht! ich ärgerte dich! verzeih! und bestell dir Kleider beim Schneider, trink Champagner, amüsiere dich, ich erlaube dir alles, — alles.“ Sie murmelte mit höchster Überwindung: „Sogar sie!... wenn du nur zu mir zurückkehrst!“
Er neigte sich über ihren Mund, einen Arm um ihre Taille, um sie am Fallen zu hindern, und sie stammelte: „Teures Herz! Süßer Schatz! wie schön du bist! mein Gott, wie schön du bist!“
Regungslos und keuchend sah Pécuchet über den Grabenrand ihnen zu.
„Keine Schwäche!“ sagte Gorju, „ich brauchte nur die Post zu versäumen! Es steht ein ordentlicher Putsch in Aussicht; ich bin dabei! — Gib mir zehn Sous, damit ich dem Postschaffner einen Kaffee mit Schnaps bezahlen kann.“
Sie zog ein Fünffrankstück aus ihrer Börse. „Du wirst sie mir bald zurückerstatten. Hab ein wenig Geduld! Wie lange schon ist er gelähmt! denke doch! — Und wenn du wolltest, könnten wir zur Kapelle von La Croix-Janval gehen — und da, mein Schatz, wollte ich vor der heiligen Jungfrau schwören, dich zu heiraten, sobald er tot ist!“
„Je nun! er stirbt nie, dein Gatte!“