Der Liebhaber der Frau Castillon demütigte ihn durch seine schlanke Figur, seine gleichmäßigen Locken, seinen krausen Bart, seine erobernde Miene, während sein eigenes Haar wie eine feuchte Perücke an seinem Schädel klebte; er sah in seinem Rock aus wie eine lange Schlummerrolle, zwei Eckzähne fehlten ihm, und sein Gesichtsausdruck war unfreundlich. Er fand den Himmel ungerecht, kam sich vor wie ein Enterbter, und sein Freund liebte ihn nicht mehr.
Bouvard verließ ihn jeden Abend. Nach dem Tode seiner Frau hätte nichts ihn gehindert, sich wieder zu verheiraten; — wer sollte ihn jetzt verhätscheln, sein Haus besorgen? Er war zu alt, um an dergleichen zu denken.
Doch Bouvard betrachtete sich im Spiegel. Seine Backen hatten ihre Farbe behalten, seine Haare lockten sich wie früher; nicht ein einziger Zahn war lose geworden, — und bei dem Gedanken, daß er gefallen könne, kam ihm das Gefühl der Jugend zurück. Frau Bordin tauchte in seiner Erinnerung auf. Sie hatte sich ihm gegenüber entgegenkommend gezeigt, zuerst bei dem Brande der Schober, dann bei ihrem Diner, schließlich während der Deklamation im Museum, und letzthin war sie, ohne ihm etwas nachzutragen, drei Sonntage nacheinander gekommen. Er machte ihr also einen Besuch, fand sich öfter ein und nahm sich vor, sie zu verführen.
Seit dem Tage, an welchem Pécuchet die kleine Magd beim Wasserpumpen beobachtet hatte, sprach er öfter mit ihr; — und mochte sie nun den Flur fegen oder Wäsche ausbreiten oder in den Kochtöpfen rühren, er konnte sich an dem Glücke, sie anzusehen, nicht genug tun, — selbst überrascht über seine Erregung, wie in der Jugend. Sie verursachte ihm Fieber und Sehnen, — und die Erinnerung an Frau Castillon, die Gorju herzte, verfolgte ihn.
Er fragte Bouvard, wie die Lüstlinge es anstellten, die Frauen zu verführen.
„Man macht ihnen Geschenke, man hält sie im Restaurant frei.“
„Gut! Aber wie weiter?“
„Einige stellen sich, als ob sie ohnmächtig würden, damit man sie auf ein Sofa trägt, andere lassen ihr Taschentuch zur Erde fallen. Die brauchbarsten bestellen einen einfach zum Stelldichein.“ Und Bouvard erging sich in Beschreibungen, die Pécuchets Phantasie entzündeten wie obszöne Stiche. „Vor allem darf man nicht glauben, was sie sagen. Ich habe welche gekannt, die sich den Anschein von Heiligen gaben und dabei wahre Messalinen waren! Vor allem muß man kühn sein.“
Doch die Kühnheit läßt sich nicht befehlen. Pécuchet schob täglich seinen Entschluß hinaus; und zudem schüchterte ihn Germaines Gegenwart ein.