In der Hoffnung, sie werde kündigen, verlangte er von ihr ein Übermaß von Arbeit, merkte sich jedesmal, wenn sie betrunken war, tadelte ganz laut ihre Unsauberkeit, ihre Faulheit und richtete es so ein, daß sie entlassen wurde.
Nun war Pécuchet frei!
Mit welcher Ungeduld erwartete er Bouvards Fortgehen! Wie schlug sein Herz, sobald die Tür sich geschlossen hatte!
Mélie arbeitete an einem kleinen runden Tisch in der Nähe des Fensters beim Scheine einer Kerze; von Zeit zu Zeit biß sie ihren Faden mit den Zähnen ab, kniff dann die Augen ein, um ihn durch das Öhr der Nadel zu ziehen.
Zuerst wollte er wissen, was für Männer ihr gefielen. Waren es zum Beispiel die von Bouvards Art? Keineswegs; sie gab den mageren den Vorzug. Er wagte die Frage, ob sie schon einen Schatz gehabt habe. „Niemals!“
Sich nähernd, betrachtete er ihre feine Nase, ihren schmalen Mund und die Umrisse ihres Gesichts. Er machte ihr Komplimente und ermunterte sie zu einem ehrbaren Wandel.
Während er sich über sie beugte, bemerkte er in ihrem Mieder weiße Formen, von denen ein lauer Duft emporstieg, der ihm die Wange wärmte. Eines Abends berührte er die kurzen Löckchen ihres Nackens mit den Lippen, und er fühlte eine Erschütterung bis ins Mark der Knochen. Ein anderes Mal küßte er sie auf das Kinn, wobei er an sich halten mußte, nicht in ihr Fleisch zu beißen, so wonnig war es. Sie erwiderte seinen Kuß. Das Zimmer drehte sich. Er sah nicht mehr.
Er schenkte ihr ein Paar Stiefel und traktierte sie oft mit einem Glase Anislikör...
Um ihr Arbeit zu ersparen, erhob er sich frühzeitig, spaltete Holz, zündete Feuer an, trieb die Aufmerksamkeit so weit, Bouvards Schuhwerk zu reinigen.
Mélie wurde nicht ohnmächtig, sie ließ auch nicht ihr Taschentuch fallen, und Pécuchet wußte nicht, wozu er sich entschließen sollte, während sein Begehren durch die Furcht, es zu befriedigen, stieg.