Bouvard machte Frau Bordin beharrlich den Hof.
Sie empfing ihn, ein wenig zu fest in ihr buntschillerndes Seidenkleid eingeschnürt, das wie das Zaumzeug eines Pferdes knirschte, während sie, um sich Haltung zu geben, mit der langen goldenen Kette spielte.
Ihre Gespräche befaßten sich mit den Leuten in Chavignolles oder mit „ihrem verewigten Gatten“, der früher Gerichtsvollzieher in Livarot gewesen war.
Dann fragte sie nach Bouvards Vergangenheit, neugierig, „die Streiche seiner Jugend“ kennenzulernen, erkundigte sich beiläufig nach seinem Vermögen, welche Interessen ihn mit Pécuchet verknüpften.
Er bewunderte die Ordnung in ihrem Haushalt, und, wenn er bei ihr speiste, die Sauberkeit des Tafelgeschirres, die Vorzüglichkeit ihrer Küche. Eine Folge von Gerichten von großer Schmackhaftigkeit, die in gleichen Zwischenräumen von einem alten Pomard unterbrochen wurden, brachte sie bis zum Nachtisch, bei dem sie lange saßen und langsam den Kaffee schlürften; — und Frau Bordin tauchte ihre fleischige Lippe, die leicht von einem dunklen Flaum beschattet war, in die Untertasse, während sie die Nasenflügel blähte.
Eines Tages erschien sie ausgeschnitten. Ihre Schultern fesselten Bouvard. Da er auf einem niedrigen Stuhle vor ihr saß, begann er, mit beiden Händen an ihren Armen entlang zu fahren. Die Witwe wurde böse. Er machte keinen neuen Versuch, aber malte sich Rundungen von wunderbarer Fülle und Festigkeit aus.
Eines Abends, als Mélies Küche ihn angewidert hatte, wurde ihm freudig ums Herz, als er in Frau Bordins Salon trat. Da hätte er leben mögen!
Die Glocke der Lampe, die mit rosigem Papier umhüllt war, verbreitete ein ruhiges Licht. Sie saß am Feuer! und ihr Fuß sah unter dem Saum ihres Kleides hervor. Gleich nach den ersten Worten versiegte die Unterhaltung.
Indessen schaute sie ihn mit halbgeschlossenen Lidern in schmachtender Weise hartnäckig an.
Bouvard hielt es nicht länger aus! — und auf das Parkett niederkniend, stammelte er: „Ich liebe Sie! Heiraten wir uns!“