„Ischyros, Athanatos, Adonaï, Sadaï, Eloy, Messiasos (die Litanei war lang), ich beschwöre dich, ich beobachte dich, ich befehle dir, o Bechet!“
Dann die Stimme dämpfend:
„Wo bist du, Bechet? Bechet! Bechet! Bechet!“
Bouvard sank in einen Sessel, und er war recht froh, Bechet nicht zu sehen, denn eine innere Stimme warnte ihn vor diesem Beginnen als vor einem Frevel. Wo war die Seele seines Vaters? Konnte sie ihn hören? Wenn sie sich plötzlich einstellte?
Die Vorhänge bewegten sich langsam in der Zugluft, die durch eine zersprungene Scheibe hereinkam, — und die Kerzen warfen schwankende Schatten über den Totenkopf und das gemalte Antlitz. Eine erdige Farbe bräunte beide in gleicher Weise. Schimmel zerfraß die Wangen, die Augen waren glanzlos; doch in den Höhlungen des Schädels flackerte ein Licht. Es schien zuweilen auf das Bild des Vaters herabzugleiten, sich auf dessen Rockkragen niederzulassen, in seinem Backenbart zu sitzen; und die halb aus dem Rahmen gelöste Leinwand schwankte, zitterte.
Allmählich glaubten sie von einem Atem gestreift zu werden und die Annäherung eines unkörperlichen Wesens zu spüren. Schweißtropfen feuchteten Pécuchets Stirn, und jetzt fingen auch Bouvards Zähne an zu klappern, ein Krampf faßte ihn an der Herzgrube; der Fußboden entwich wie eine Woge unter seinen Füßen; der Schwefel, der im Kamin brannte, schlug sich in großen Wirbeln nieder; zugleich flatterten Fledermäuse umher; ein Schrei erscholl; — was war das?
Jeder zeigte dem andern in seiner Kapuze ein so verzerrtes Gesicht, daß ihr Entsetzen sich dadurch steigerte, und während sie weder eine Bewegung zu machen noch auch zu sprechen wagten, hörten sie hinter der Tür Seufzen, wie von einer in Not befindlichen Seele.
Endlich wagten sie sich hin.
Es war ihre alte Magd, welche ihnen, durch eine Wandspalte guckend, auflauerte und den Teufel zu sehen geglaubt hatte; und im Flur kniend, schlug sie ein Kreuz nach dem andern.