„Keineswegs!“ sagte der andere. „Wahnsinn, Chloroform, ein Aderlaß werfen sie um, und da sie nicht immer denkt, so ist sie durchaus keine Substanz, die aus reinem Denken besteht.“

„Indessen“, wandte Pécuchet ein, „habe ich in mir selbst etwas, das meinem Körper überlegen ist und ihm zuweilen widerstreitet.“

„Ein Wesen im Wesen? Der homo duplex! geh doch! Verschiedene Tendenzen zeigen entgegengesetzte Motive an. Das ist alles.“

„Doch dieses Etwas, diese Seele bleibt identisch bei allen Veränderungen im Äußeren. Also ist sie einfach, unteilbar und folglich unkörperlich.“

„Wenn die Seele einfach wäre,“ erwiderte Bouvard, „so müßte das Neugeborene Erinnerung haben, denken wie der Erwachsene. Das Denken kommt dagegen mit der Entwicklung des Gehirns. Was die Unteilbarkeit anlangt, so lassen sich der Duft einer Rose oder der Hunger eines Wolfes ebensowenig in zwei Teile zerlegen wie das Wollen oder eine Behauptung.“

„Das schadet nichts!“ sagte Pécuchet, „die Seele ist frei von den Eigenschaften der Materie!“

„Glaubst du an die Schwerkraft?“ fuhr Bouvard fort. „Wenn nun die Materie fallen kann, so kann sie auch denken. Da unsere Seele einen Anfang genommen hat, muß sie auch ein Ende nehmen und, da sie von den Organen abhängt, mit ihnen verschwinden.“

„Ich dagegen behaupte, daß sie unsterblich ist! Gott kann nicht wollen...“

„Aber wenn Gott nicht existiert?“

„Wie?“ Und Pécuchet führte die drei cartesianischen Beweisgründe an: „Primo, Gott ist in der Idee einbegriffen, die wir von ihm haben; secundo, seine Existenz ist möglich; tertio, da ich begrenzt bin, wie könnte ich eine Idee vom Unbegrenzten haben? — und da wir diese Idee haben, so kommt sie mir von Gott, also existiert Gott!“