Schwerwiegende Fälle von Unordnung kamen vor. Die Viehmagd wurde schwanger. Sie nahmen verheiratete Leute in ihren Dienst; es begann von Kindern, Vettern, Basen, Onkeln, Schwägerinnen zu wimmeln; eine ganze Horde lebte auf ihre Kosten, und sie beschlossen, abwechselnd auf dem Pachthofe zu schlafen.

Doch des Abends waren sie traurig gestimmt. Die Unsauberkeit des Zimmers war ihnen widerwärtig, und Germaine, die die Mahlzeiten herbeibrachte, brummte bei jeder Reise. Man hielt die beiden auf alle Art zum Narren. Die Drescher stopften Getreide in ihre Trinkkrüge. Pécuchet faßte einen dabei und schrie, während er ihn bei den Schultern packte und hinausjagte:

„Elender! Du bist die Schande des Dorfes, das dich zur Welt kommen sah.“

Seine Persönlichkeit flößte nicht den geringsten Respekt ein. — Übrigens machte er sich Gewissensbisse, sooft er den Garten sah. Seine ganze Zeit würde eben ausgereicht haben, ihn in guter Ordnung zu halten. — Bouvard wollte die Sorge um den Pachthof übernehmen. Sie berieten darüber, und diese Maßnahme war beschlossene Sache.

Der wichtigste Punkt war, gute Mistbeete zu bekommen. Pécuchet ließ eins aus Ziegeln bauen. Er selber strich die Rahmen an, und da er die Sonnenstrahlen fürchtete, beschmierte er alle Schutzgläser mit Kreide.

Bei den Steckreisern übte er die Vorsicht, die Spitzen mit den Blättern zu entfernen. Dann machte er sich emsig an das Absenken. Er versuchte verschiedene Arten der Veredelung, Pfropfen mit der Pfeife, kronenweises Pfropfen, Okulieren, krautiges Pfropfen, Veredelung auf englische Art. Mit welcher Sorgfalt paßte er die Bastenden aneinander! Wie fest er die Fäden anzog! Welch eine Menge Baumwachs er darüber legte!

Zweimal täglich nahm er seine Gießkanne und schwenkte sie über den Pflanzen, als wenn er sie beweihräucherte. Wie sie unter der Wirkung des Wassers, das als feiner Regen herabfiel, grünten, glaubte er, seinen eigenen Durst zu löschen und in ihnen wieder zu erstehen. Dann ließ er sich hinreißen, nahm die Brause von der Gießkanne und goß in vollem Strom reichlich darüber.

Am Ende des Laubenganges, in der Nähe der Gipsdame, erhob sich eine Art Hütte aus Stangenholz. Pécuchet verwahrte dort seine Geräte, und er verbrachte hier wundervolle Stunden mit dem Aussuchen der Sämereien, dem Schreiben von Etiketten, der Ordnung seiner kleinen Töpfe. Wenn er sich ausruhte, setzte er sich auf eine Kiste vor die Tür und träumte dann von Verschönerungen.

Unten an der Freitreppe hatte er zwei Körbe mit Geranien angebracht; zwischen die Zypressen und die pyramidenförmig geschnittenen Obstbäume pflanzte er Sonnenblumen; — und da die Beete mit Butterblumen und alle Wege mit frischem Sand bedeckt waren, so blendete der Garten durch eine Überfülle von gelben Farben.

Doch das Mistbeet wimmelte von Larven; trotz der neuen Bedüngung mit trockenem Laub entstand hinter den gestrichenen Rahmen und unter den beschmierten Schutzgläsern nur eine verkrüppelte Vegetation. Die Stecklinge faßten nicht Wurzel; die Pfropfreiser fielen ab, die Satzreiser trieben nicht mehr, die Bäume hatten den Schimmel an der Wurzel; die Samenbeete waren ein Jammer. Der Wind schien eine Lust daran zu finden, die Bohnenstangen niederzuwerfen. Die übermäßige Bedüngung mit Jauche schadete den Erdbeerpflanzen, die mangelhafte Beschneidung den Tomaten.