Unter dem Eindruck von Bouvards Reden ließ er vom Spiritualismus ab, nahm ihn bald wieder auf, um ihn dann wieder fallen zu lassen, und rief, den Kopf in den Händen: „O! Der Zweifel! der Zweifel! Lieber wäre mir das Nichts!“
Bouvard bemerkte die Unzulänglichkeit des Materialismus und versuchte daran festzuhalten, wobei er übrigens erklärte, daß er den Kopf darüber verlöre.
Sie begannen Vernunftschlüsse auf einer festen Basis; sie brach zusammen; — und plötzlich waren alle Gedanken fort, wie eine Fliege davonfliegt, sobald man sie fangen will.
Während der Winterabende plauderten sie im Museum am Feuer, den Blick auf die Kohlen gerichtet. Der Wind, der im Flur pfiff, ließ die Scheiben erzittern, die schwarzen Massen der Bäume wiegten sich, und die Melancholie der Nacht verstärkte den Ernst ihrer Gedanken.
Von Zeit zu Zeit ging Bouvard bis ans Ende des Gemaches; dann kam er zurück. Die Kerzen und die Metallgeschirre an der Wand warfen schräge Schatten auf den Boden; und der Sankt Peter, den man im Profil sah, breitete über die Decke den Schattenriß seiner Nase, der einem ungeheueren Jagdhorn glich.
Nur mit Mühe konnte man zwischen den Gegenständen durchkommen, und oft stieß sich Bouvard, wenn er nicht acht gab, an der Statue. Mit ihren großen Augen, der herabhängenden Lippe und ihrer Trunkenboldsphysiognomie war sie auch Pécuchet im Wege. Seit langer Zeit wollten sie sich ihrer entledigen, doch aus Lässigkeit verschoben sie es von einem Tage zum andern.
Eines Abends stieß Bouvard inmitten eines Streites über die Monade mit seiner großen Zehe gegen die Sankt Peters, — und seinen Zorn gegen ihn entladend:
„Der Kerl ist mir gräßlich, wir wollen ihn an die Luft setzen!“
Es war zu schwierig, ihn die Treppe hinunterzuschaffen. Sie öffneten das Fenster und neigten ihn sachte gegen den Rand. Pécuchet versuchte kniend, ihn an den Fußsohlen in die Höhe zu heben, während Bouvard gegen die Schultern drückte. Der steinerne Biedermann wankte nicht; sie mußten die Hellebarde als Hebel zu Hilfe nehmen, — und endlich kamen sie so weit, ihn ganz niederzulegen. Dann stürzte er, nachdem er hin- und hergependelt hatte, ins Leere, die Tiara voran, — ein dumpfes Geräusch erscholl, — und am folgenden Morgen fanden sie ihn in zwölf Stücke zerbrochen in dem ehemaligen Kompostloch.
Eine Stunde später trat der Notar herein mit einer guten Nachricht für sie. Jemand aus dem Orte würde für eine Hypothek auf ihren Pachthof tausend Taler vorschießen; und da sie sich freuten: „Verzeihen Sie! Man macht eine Bedingung dabei: daß Sie nämlich dem Geldgeber die Ecalles für fünfzehnhundert Franken verkaufen. Der Vorschuß wird noch heute bezahlt werden. Das Geld liegt bei mir im Bureau.“