Dann ließen sie ihre ungestillten Sehnsüchte an sich vorüberziehen. Bouvard hatte sich immer Pferde, Equipagen, edle Burgundergewächse und schöne, willfährige Frauen in glänzender Wohnung gewünscht. Pécuchets Ehrgeiz stand nach philosophischem Wissen. Nun kann das größte der Probleme, dasjenige, das alle andern umschließt, innerhalb einer Minute gelöst sein. Wann denn wird sie kommen? — „Man kann geradesogut gleich ein Ende machen.“
„Wie du willst,“ sagte Bouvard.
Und sie prüften die Frage des Selbstmordes.
Was ist Schlimmes dabei, eine Last abzuwerfen, die einen erdrückt? und eine Handlung zu begehen, die niemand Schaden bringt? Wenn sie Gott beleidigte, würden wir dann die Macht dazu haben? Sie ist keineswegs Feigheit, was man auch sage, — und die Vermessenheit, das, was die Menschen am höchsten schätzen, sogar zum eigenen Nachteil zu verhöhnen, ist schön.
Sie beratschlagten über die Todesart.
Vergiftungen sind mit Schmerzen verbunden. Es gehört viel Mut dazu, sich die Kehle abzuschneiden. Die Erstickungsversuche führen oft nicht zum Ziel.
Schließlich trug Pécuchet zwei Taue von ihren gymnastischen Übungen auf den Boden. Nachdem er sie dann an denselben Querbalken des Daches geknüpft, ließ er einen Henkersknoten herabhängen und schob zwei Stühle darunter, damit man die Stricke erreichen konnte.
Man entschloß sich zu dieser Todesart.
Sie fragten sich, welch einen Eindruck das im Orte machen würde, wo dann ihre Bücher, ihr Geschreibsel, ihre Sammlungen bleiben würden. Der Gedanke an den Tod bewirkte bei ihnen eine Rührung, die ihrer eigenen Person galt. Jedoch gaben sie ihren Vorsatz nicht auf, und dadurch, daß sie davon sprachen, gewöhnten sie sich an den Gedanken.
Am Abend des 24. Dezember, zwischen zehn und elf Uhr, gaben sie sich im Museum, jeder in verschiedener Kleidung, ihren Gedanken hin. Bouvard hatte über seine Trikotweste eine Bluse gezogen; und Pécuchet trug seit drei Monaten aus Sparsamkeit beständig das Mönchsgewand.