Über die Wunder erstaunte ihre Vernunft nicht, seit ihrer Kindheit waren sie ihnen vertraut. Die Tiefe des heiligen Johannes entzückte Pécuchet und machte ihn fähig, die „Nachfolge Jesu-Christi“ besser zu verstehen.
In diesem Buche gibt es keine Vergleiche, keine Blumen, keine Vögel; sondern Klagen, ein Zurückziehen der Seele in sich selbst. Bouvard wurde traurig, während er in diesen Seiten blätterte, die bei nebeldüsterem Wetter tief in einem Kloster zwischen einem Glockenturm und einem Grabe geschrieben zu sein schienen. Unser irdisches Leben erscheint darin so jammervoll, daß man, seiner vergessend, sich Gott zuwenden muß; — und die beiden Biedermänner empfanden nach all ihren Enttäuschungen das Bedürfnis, einfach zu sein, irgend etwas zu lieben, ihren Geist auszuruhen.
Sie machten sich an das Buch Jesus Sirach, an Jesaias und Jeremias.
Doch die Bibel mit ihren löwenstimmigen Propheten, den Donnerlauten in den Wolken, all dem Schluchzen der Hölle, und mit ihrem Gott, der Reiche zerstreut wie der Wind die Wolken, flößte ihnen Furcht ein.
Sie lasen des Sonntags um die Stunde des Nachmittagsgottesdienstes, wenn die Glocke läutete.
Eines Tages gingen sie zur Messe und besuchten sie dann häufiger. Es war eine Zerstreuung am Ende der Woche. Der Graf und die Gräfin von Faverges grüßten sie von weitem, was bemerkt wurde. Der Friedensrichter sagte zu ihnen, mit den Augen blinzelnd: „Ausgezeichnet! Ich kann Sie dazu nur beglückwünschen!“ Alle Bürgerfrauen sandten ihnen jetzt geweihtes Brot.
Der Abbé Jeufroy machte ihnen einen Besuch; sie erwiderten ihn; man verkehrte miteinander, und der Priester vermied es, von Religion zu sprechen.
Seine Zurückhaltung setzte sie in Erstaunen, so daß Pécuchet ihn mit gleichgültiger Miene fragte, wie man es machen müsse, um gläubig zu werden.
„Befolgen Sie zunächst die Vorschriften der Kirche.“