Bouvard ließ die Beichte der ersten Christen, die öffentlich war, gelten: heute wird sie einem zu leicht gemacht. Indessen leugnete er nicht, daß dieses Befragen unserer selbst ein Element des Fortschritts sei, daß es eine moralische Gärung hervorrufe.
Pécuchet, der nach Vollendung strebte, suchte nach seinen Lastern; die Hochmutsanwandlungen waren seit langem verschwunden. Sein Sinn für Arbeit bewahrte ihn vor Faulheit; was die Gefräßigkeit betraf, so war niemand mäßiger. Zuweilen ließ er sich vom Zorne fortreißen.
Er schwor bei sich, das abzulegen.
Dann mußte man Tugenden erwerben; in erster Linie die Demut, — das heißt, sich jedes Verdienstes für unfähig, der geringsten Belohnung für unwürdig halten, seinen Geist opfern und sich so erniedrigen, daß man wie der Schmutz der Straße mit Füßen getreten wird. Er war noch weit entfernt von dieser Verfassung.
Er ermangelte einer anderen Tugend: der Keuschheit. — Denn innerlich bedauerte er, daß Mélie nicht mehr da war, und das Pastellbild der Dame in Louis XV.-Tracht störte ihn durch das Dekolleté.
Er schloß es in einen Schrank, und seine Schamhaftigkeit wurde so groß, daß er sogar fürchtete, seine eigene Blöße zu sehen, und er legte sich in seiner Unterhose schlafen.
So viel Vorsichtsmaßregeln gegen die Wollust entwickelten sie. Besonders des Morgens hatte er heftige Kämpfe zu bestehen, wie deren der heilige Paulus, der heilige Benedikt und der heilige Hieronymus in sehr vorgeschrittenem Alter hatten; dann hatten sie sich sogleich an wütende Bußübungen gemacht. Der Schmerz ist eine Sühne, ein Heilmittel und ein Weg, eine Ehrerbietung vor Jesus Christus. Jede Liebe fordert Opfer, und welches wäre schwerer als das unseres Leibes.
Um sich zu kasteien, verzichtete Pécuchet auf den Likör nach den Mahlzeiten, beschränkte sich auf vier Prisen täglich und setzte bei großer Kälte keine Mütze auf.
Eines Tages stellte Bouvard, als er den Wein anband, eine Leiter gegen die Mauer der Terrasse am Hause, — und zufällig fiel sein Blick in Pécuchets Zimmer.
Sein Freund, bis zum Gürtel nackt, versetzte sich mit der Klopfpeitsche sanfte Schläge auf die Schultern, zog dann in steigender Erregung seine Hose aus, peitschte seine Hinterbacken und fiel atemlos auf einen Stuhl.