Dagegen hatte Pécuchets Frömmigkeit Fortschritte gemacht. Er hätte unter beiderlei Gestalt kommunizieren mögen, sang Psalmen, während er im Hausflur herumging, hielt die Einwohner von Chavignolles an, um mit ihnen Glaubensfragen zu erörtern und sie zu bekehren. Vaucorbeil lachte ihm ins Gesicht, Girbal zuckte die Achseln, und der Hauptmann nannte ihn Tartüff. Man fand jetzt, daß sie zu weit gingen.

Eine ausgezeichnete Gewohnheit besteht darin, die Dinge als ebensoviele Symbole zu betrachten. Wenn der Donner grollt, so soll man sich das Jüngste Gericht vorstellen; vor einem wolkenlosen Himmel kann man an den Aufenthalt der Seligen denken; man sage sich während seiner Spaziergänge, daß jeder Schritt dem Tode entgegenführt. Pécuchet beobachtete diese Methode. Wenn er seine Kleider nahm, gedachte er der fleischlichen Hülle, mit der die zweite Person der Dreifaltigkeit sich umkleidet hat; das Ticken der Uhr vergegenwärtigte ihm die Schläge seines Herzens, ein Nadelstich die Nägel des Kreuzes; doch es war vergebens, daß er stundenlang auf den Knien lag, daß er noch häufiger fastete und seine Einbildungskraft anstrengte, die Loslösung vom Ich wollte nicht eintreten; unmöglich, zur vollkommenen Vergeistigung zu gelangen.

Er nahm seine Zuflucht zu mystischen Schriftstellern: zur heiligen Therese, zu Johannes vom Kreuz, Ludwig von Granada, Simpoli und von neueren zu dem Bischof Chaillot. Anstatt der Erhabenheiten, die er erwartete, traf er nur Plattheiten, einen sehr nachlässigen Stil, nichtssagende Bilder und eine Unmenge Vergleiche, die dem Steinschneidergewerbe entnommen waren.

Er erfuhr jedoch, daß es eine aktive und eine passive Reinigung gibt, ein inneres und ein äußeres Schauen, vier Arten von Gebeten, neun Vollkommenheiten in der Liebe, sechs Stufen der Demut, und daß das Verwunden der Seele sich kaum vom geistigen Diebstahl unterscheidet.

Einige Punkte setzten ihn in Verlegenheit.

„Wie kommt es, daß man Gott für die Wohltat des Daseins danken muß, wo doch das Fleisch verdammt ist? Wie die Mitte halten zwischen der Furcht, die zum Heile unerläßlich ist, und der Hoffnung, die es nicht weniger ist? Was ist das Kennzeichen der Gnade?“ und so weiter.

Herrn Jeufroys Antworten waren einfach:

„Quälen Sie sich nicht. Will man allem auf den Grund kommen, so gerät man auf eine schiefe Ebene.“

Die „Katechismuslehre nach der Firmelung“ von Gaume hatte Bouvard so angewidert, daß er zu dem Bande von Louis Hervieu griff. Es war eine kurze Zusammenfassung der modernen Exegese. Die Regierung hatte ihn verboten. Barberou hatte ihn gekauft, weil er Republikaner war.

Er weckte Zweifel in Bouvards Geist, und zwar zuerst über die Erbsünde. „Wenn Gott den Menschen sündig geschaffen hat, dürfte er ihn nicht bestrafen, und das Böse ist älter als der Sündenfall, da es ja schon Vulkane, reißende Tiere gab. Kurz, dieses Dogma wirft meine Anschauungen von Gerechtigkeit über den Haufen!“