„Was wollen Sie?“ sagte der Pfarrer, „das ist eine von jenen Wahrheiten, über die alle Welt sich einig ist, ohne daß man dafür Beweise geben könnte. Und wir selbst rechnen den Kindern die Sünden ihrer Väter an. So rechtfertigen Sitten und Gesetze diesen Ratschluß der Vorsehung, den man in der Natur wiederfindet.“
Bouvard schüttelte den Kopf. Er hatte auch Zweifel an der Hölle.
„Denn jede Züchtigung muß auf Besserung des Schuldigen abzielen, was bei einer ewigen Strafe unmöglich wird; und wie viele müssen sie erdulden! Denken Sie doch, alle die Alten, die Juden, die Muselmanen, die Götzendiener, die Häretiker und die ohne Taufe verschiedenen Kinder, diese von Gott erschaffenen Kinder, und zu welchem Zweck? um sie für eine Sünde zu bestrafen, die sie nicht begangen haben!“
„Das ist die Ansicht des heiligen Augustin,“ fügte der Geistliche hinzu, „und Sankt Fulgentius dehnt die Verdammung bis auf den Foetus aus. Die Kirche hat allerdings in dieser Hinsicht nichts entschieden. Eine Bemerkung jedoch: es ist nicht Gott, sondern der Sünder selbst, welcher sich verdammt, und da die Versündigung unendlich ist, denn Gott ist unendlich, so muß die Strafe unendlich sein! Ist das alles, mein Herr?“
„Erklären Sie mir die Dreieinigkeit,“ sagte Bouvard.
„Mit Vergnügen. Bedienen wir uns eines Vergleiches: die drei Seiten des Dreiecks, oder besser noch unsere Seele, die umfaßt: Sein, Erkennen und Wollen; was man Vermögen beim Menschen nennt, ist Person bei Gott. Das ist das ganze Geheimnis.“
„Aber die drei Seiten des Dreiecks sind nicht jede ein Dreieck; diese drei Vermögen der Seele ergeben nicht drei Seelen, und Ihre Personen der Dreifaltigkeit sind drei Gottheiten.“
„Lästern Sie nicht!“
„Dann gibt es nur eine Person, einen Gott, eine Substanz, der drei Arten des Seins eigen sind!“