Nach Pécuchets Ansicht hatte man sie verleumdet. „Die Geschichte von der thebanischen Legion ist eine Fabel. Ich bestreite ebenso die Existenz der Symphorosa und ihrer sieben Söhne, die der Felicitas und ihrer sieben Töchter und alles, was über die sieben Jungfrauen von Ankyra erzählt wird, die noch mit siebzig Jahren dazu verurteilt wurden, genotzüchtigt zu werden, und ebenso unglaubwürdig ist die Geschichte von den elftausend Jungfrauen der heiligen Ursula, deren eine Gefährtin Undecimilla hieß, wobei ein Name mit einer Zahl gleichgesetzt wird; mehr noch, was die zehn Märtyrer von Alexandria angeht.“

„Indessen!... Indessen finden sie sich bei Autoren, die glaubwürdig sind.“

Wassertropfen fielen. Der Pfarrer öffnete seinen Regenschirm; — und als Pécuchet darunter war, wagte er zu behaupten, daß die Katholiken mehr Juden, Moslemiten, Protestanten und Freidenker zu Märtyrern gemacht hätten, als früher alle Römer.

Der Geistliche widersprach heftig: „Aber von Nero bis zu Cäsar Galba zählt man zehn Verfolgungen!“

„Schön! Und die Blutbäder unter den Albigensern? und die Bartholomäusnacht? und die Widerrufung des Ediktes von Nantes?“

„Ohne Zweifel sind das bedauerliche Ausschreitungen, doch werden Sie diese Leute da nicht dem heiligen Stephanus, dem heiligen Laurentius, Cyprian, Polykarp, einer Unmenge von Missionaren an die Seite stellen wollen.“

„Verzeihung! Ich erinnere Sie an Hypathia, Hieronymus von Prag, Johannes Huß, Bruno, Vanini, Anne Dubourg!“

Der Regen wurde stärker, die Wasserstrahlen schossen so heftig herab, daß sie vom Boden zurücksprangen wie kleine weiße Raketen. Pécuchet und Herr Jeufroy gingen langsam, einer gegen den andern gedrückt, und der Pfarrer sagte:

„Nach schrecklichen Martern warf man sie in siedende Kessel!“