„Man kennt ihre Namen!“

„Und trotzdem,“ wandte der Priester ein, während er seinen Schirm im Zorn schüttelte, „kann man sie nicht Märtyrer nennen. Außerhalb der Kirche keine Märtyrer.“

„Ein Wort noch. Wenn der Wert des Märtyrers von der Lehre abhängt, wie kann er dazu dienen, deren Vorzüglichkeit zu beweisen?“

Der Regen ließ nach; bis zum Dorfe sprachen sie nicht mehr.

Doch auf der Schwelle des Pfarrhauses sagte der Abbé:

„Sie tun mir leid! Wirklich, Sie tun mir leid!“

Pécuchet erzählte seinen Streit sogleich Bouvard. Das Gezänk hatte ihn in eine religionsfeindliche Stimmung versetzt, und eine Stunde darauf saßen sie vor einem Reisigfeuer und lasen den „Pfarrer Meslier“. Die plumpen Verneinungen des Buches mißfielen ihm; dann blätterte er, da er sich vorwarf, möglicherweise Helden verkannt zu haben, in der „Biographie“ die Geschichte der erlauchtesten Märtyrer durch.

Welchen Lärm das Volk machte, wenn sie die Arena betraten! Und wenn die Löwen und Jaguare nicht wild genug waren, so reizte man die Tiere durch Bewegung und Zuruf, vorzugehen. Man sah die Christen blutüberströmt lächelnd dastehen, den Blick zum Himmel erhoben; die heilige Perpetua knotete ihr Haar wieder, um keine Betrübnis zu zeigen. Pécuchet wurde nachdenklich. Das Fenster stand offen, die Nacht war ruhig, zahlreiche Sterne glänzten. In ihrer Seele mußten Dinge vorgehen, die wir uns nicht vorstellen können, eine Freude, eine göttliche Verzückung! Und Pécuchet sagte unter der Gewalt des Nachsinnens darüber, daß er das begriffe, daß er wie sie gehandelt haben würde.

„Du?“

„Ganz gewiß!“