Allem Anschein nach liebte sie ihn; sie hätten sich heiraten können: sie war Witwe, und er ahnte nichts von dieser Liebe, die vielleicht das Glück seines Lebens gewesen wäre.
Obwohl er sich religiöser gab als Bouvard, hatte sie ihn dem heiligen Joseph geweiht, dessen Beistand für Bekehrungen ausgezeichnet ist.
Niemand kannte wie sie alle Rosenkränze und den Ablaß, der mit ihnen verbunden ist, die Wirkung der Reliquien, die Heilkräfte der wundertätigen Quellen. Ihre Uhr saß an einem Kettchen, das die Fesseln Sankt Peters berührt hatte.
Unter ihren Berlocken leuchtete eine goldene Perle, die der nachgebildet war, welche in der Kirche zu Allouagne eine Träne unseres Herrn enthält; ein Ring an ihrem kleinen Finger umschloß Haare des Pfarrers von Ars, und da sie Heilkräuter für die Kranken sammelte, so glich ihr Zimmer einer Sakristei und einem Apothekerlaboratorium.
Sie verbrachte ihre Zeit mit Briefschreiben, Besuchen bei Armen, Lösen von wilden Ehen, Austeilen von Herz-Jesu-Photographien. Ein Herr wollte ihr „Märtyrerpaste“ schicken, eine Mischung aus Osterwachs und menschlichem Staub, den man in den Katakomben gesammelt hatte und der in verzweifelten Fällen in Form von Pflaster oder Pillen angewandt wird. Sie versprach Pécuchet davon.
Er schien entsetzt über einen solchen Materialismus.
Am Abend brachte ihm ein Diener aus dem Schlosse einen Tragkorb voll kleiner Bücher, die von frommen Worten des großen Napoleon, Witzworten des Pfarrers in den Herbergen, von dem schrecklichen Ende gottloser Menschen handelten. Frau von Noares kannte das alles auswendig, dazu eine Unmenge von Wundern.
Sie erzählte deren sinnlose, Wunder ohne Zweck, als wenn Gott sie getan hätte, um die Welt in Staunen zu setzen. Ihre eigene Großmutter hatte Pflaumen, die mit einem Tuch bedeckt waren, in einen Schrank geschlossen, und als man den Schrank ein Jahr später öffnete, sah man ihrer dreizehn auf dem Tuche, die ein Kreuz bildeten.
„Erklären Sie mir das.“