Da sie wußte, weshalb der Bürgermeister gekommen war, rief sie Viktor herbei.
Alles war im voraus fertiggemacht, und die Habseligkeiten der Kinder lagen in zwei Taschentüchern, die mit Nadeln zusammengesteckt waren.
„Gute Reise!“ rief sie ihnen nach, überglücklich, dieses Ungeziefer loszuwerden.
War es ihre Schuld, daß sie die Kinder eines Sträflings waren? Sie schienen doch ganz sanft zu sein und sich nicht einmal zu sorgen, wohin man sie bringen würde.
Bouvard und Pécuchet betrachteten sie, wie sie vor ihnen dahinschritten.
Viktorine summte undeutliche Worte vor sich hin, während sie ihr Tuch am Arme hielt wie eine Modistin, die eine Schachtel trägt. Zuweilen wandte sie sich um, und angesichts ihrer blonden Löckchen und ihrer reizenden Gestalt tat es Pécuchet leid, daß er nicht solch ein Kind hatte. Würde sie unter anderen Lebensbedingungen aufwachsen, so würde sie später entzückend werden. Welch ein Glück, sie heranwachsen zu sehen, jeden Tag ihr Vogelgezwitscher zu hören, sie so oft er wollte zu umarmen, — und ein Gefühl der Rührung stieg in ihm empor, feuchtete seine Wimpern und machte sein Herz ein wenig schwer.
Viktor hatte sein Gepäck wie ein Soldat über den Rücken gelegt. Er pfiff, warf Steine nach den Krähen in den Furchen, lief unter die Bäume, um sich Stöcke zu schneiden; Foureau rief ihn zurück; und Bouvard, der ihn festhielt, fühlte mit Wonne in seiner Hand diese gesunden und kräftigen Kinderfinger. Der arme kleine Teufel verlangte nur, sich frei entwickeln zu können wie eine Pflanze in frischer Luft! Und er sollte zwischen Mauern bei Schulstunden, Strafen und einer Menge von Dummheiten verkommen! Bouvard wurde von einem aufsässigen Mitleid erfaßt, einer Entrüstung gegen das Schicksal, einem jener Wutanfälle, in denen man die Obrigkeit vernichten möchte. „Lauf!“ sagte er, „vergnüge dich! Nütze die freie Zeit!“
Der Bengel rannte davon.
Seine Schwester und er sollten im Wirtshaus übernachten, — und bei Tagesanbruch sollte der Bote von Falaise Viktor mitnehmen, um ihn in der Strafanstalt zu Beaubourg abzuliefern; — eine Nonne des Waisenhauses zu Grand-Camp sollte Viktorine in Empfang nehmen.
Nachdem Foureau diese Einzelheiten erzählt hatte, vertiefte er sich in seine Gedanken. Doch Bouvard wollte wissen, wieviel der Unterhalt dieser beiden Bälge kosten konnte.