Sie zweifelten nicht mehr an sich selbst, riefen ihre Zöglinge und begannen die Untersuchung ihrer Hirnschalen von neuem.

Diejenige Viktorinens war im großen ganzen glatt, was ein Zeichen von Gleichgewicht war; aber ihr Bruder hatte einen beklagenswerten Schädel: eine starke Erhöhung im Winkel des Scheitelbeinansatzes ließ das Organ der Zerstörung, des Mordes erkennen, und weiter unten war eine Anschwellung, das Zeichen der Begehrlichkeit, des Diebstahls. Bouvard und Pécuchet waren acht Tage lang darob bekümmert.

Aber man mußte genau auf den Sinn der Worte achten: was man Kampflust nennt, schließt die Verachtung des Todes ein. Wenn dadurch Mordtaten vollbracht werden, so kann auch manches Menschenleben dadurch gerettet werden. Der Erwerbssinn umfaßt die Schlauheit der Betrüger und den Eifer der Kaufleute. Die Unehrerbietigkeit läuft dem kritischen Geiste parallel, die List der Umsicht. Stets teilt sich ein Instinkt in zwei Richtungen: in eine schlechte und eine gute. Man kann die eine unterdrücken, indem man die andere pflegt, und vermittels dieser Methode kann ein kühnes Kind es bis zum General bringen, das sonst ein Raubmörder geworden wäre. Der Feigling wird nur noch Vorsicht zeigen, der Geizhals Sparsamkeit, der Verschwender Großmut.

Ein glänzender Traum beschäftigte sie: wenn sie die Erziehung ihrer Zöglinge zu einem guten Ende geführt hätten, wollten sie später eine Anstalt gründen, deren Zweck es sein sollte, den Verstand zu bilden, schädliche Charakteranlagen zu bekämpfen, das Gemüt zu veredeln. Sie sprachen schon von Geldzeichnungen und dem Gebäude.

Ihr Triumph bei Ganot hatte sie berühmt gemacht, und es kamen Leute, die wissen wollten, was für Chancen sie im Leben hätten.

Es marschierten ihrer von allen Arten auf: Schädel von Kugel-, Birnen- und Zuckerhutform, viereckige, hohe, zusammengedrückte, abgeplattete, solche mit Rinderschnauzen, Vogelgesichtern, Schweinsaugen; doch eine solche Menge Menschen störte den Friseur bei seiner Arbeit. Die Ellbogen streiften den Glasschrank, der die Parfumerien enthielt; man brachte die Kämme in Unordnung, der Waschtisch zerbrach, und der Friseur setzte alle Wißbegierigen an die Luft, indem er Bouvard und Pécuchet bat, ihnen nachzufolgen, ein Ultimatum, in das sie sich ohne Murren fügten, denn sie waren die Schädelbeobachtung ein wenig leid geworden.

Als sie am folgenden Morgen an dem Gärtchen des Hauptmanns vorbeikamen, bemerkten sie ihn im Gespräch mit Girbal, Coulon, dem Feldhüter und dessen jüngstem Sohn Zéphyrin, der als Chorknabe angezogen war. Sein Gewand war ganz neu; er spazierte darin umher, bevor es wieder in die Sakristei wanderte, und man bewunderte ihn darin.

Neugierig zu erfahren, was sie von seinem Sohne dächten, bat Placquevent die Herren, den Schädel seines Jungen zu untersuchen.

Die Stirnhaut sah aus, als ob sie gespannt wäre; eine dünne, an der Spitze recht knorpelige Nase senkte sich schräg auf schmale Lippen; das Kinn war spitz, der Blick unstät, die rechte Schulter zu hoch.

„Nimm deine Mütze ab,“ sagte der Vater zu ihm.