Pécuchet wandte ein, körperliche Züchtigungen seien zuweilen unerläßlich. Pestalozzi wandte sie an, und der berühmte Melanchthon gesteht, daß er ohne sie nichts gelernt haben würde. — Doch haben grausame Bestrafungen zum Selbstmord getrieben, man liest von solchen Beispielen. Viktor hatte den Eingang zu seinem Zimmer verbarrikadiert. — Bouvard verhandelte durch die Tür, und um sie aufzubekommen, versprach er ihm eine Pflaumentorte.
Von nun an wurde es schlimmer mit dem Jungen.
Blieb ein von dem Bischof Dupanloup empfohlenes Mittel: „der strenge Blick“. Sie versuchten, ihren Gesichtern einen schrecklichen Ausdruck zu geben, und hatten nicht den geringsten Erfolg damit.
„Wir können es nur noch mit der Religion versuchen,“ sagte Bouvard.
Pécuchet protestierte. Sie hätten die Religion aus ihrem Programm gestrichen.
Doch die Vernunft befriedigt nicht alle Bedürfnisse. Das Herz und die Phantasie wollen mehr. Vielen Seelen ist das Übernatürliche unentbehrlich, und sie beschlossen, die Kinder in die Katechismusstunde zu schicken.
Reine erbot sich, sie dorthin zu bringen. Sie kam wieder ins Haus und verstand, durch einnehmende Manieren sich beliebt zu machen.
Viktorine wurde plötzlich anders; sie zeigte sich zurückhaltend, wurde süßlich, lag vor der Madonna auf den Knien, bewunderte das Opfer Abrahams und hatte ein verächtliches Hohnlächeln, wenn von Protestanten die Rede war.
Sie erklärte, man habe ihr aufgegeben zu fasten. Bouvard und Pécuchet erkundigten sich: es war nicht wahr. Am Fronleichnamstage verschwanden Levkojen von einem Beete, die nachher den Altar schmückten; sie leugnete in frecher Weise, sie abgeschnitten zu haben. Ein anderes Mal entwendete sie Bouvard zwanzig Sous, die sie beim Abendgottesdienst in die Schale des Küsters legte.
Sie schlossen daraus, daß Moral und Religion verschiedene Dinge seien; wenn die letztere keinen tieferen Grund hat, ist sie von untergeordneter Wichtigkeit.