Eines Abends, während sie speisten, trat Herr Marescot ins Zimmer; im selben Augenblick entschlüpfte Viktor.

Der Notar, der es ablehnte, sich zu setzen, erzählte, was ihn herführe: der junge Touache habe seinen Sohn beinahe zu Tode geprügelt.

Da man um Viktors Herkunft wußte und er unangenehm war, nannten ihn die anderen Bengel Zuchthäusler, und soeben hatte er den jungen Herrn Marescot in unverschämter Weise verhauen. Der Körper des teuren Arnold zeigte die Spuren davon. „Seine Mutter ist in Verzweiflung, sein Anzug in Fetzen, seine Gesundheit geschädigt! Was soll daraus werden?“

Der Notar forderte eine scharfe Züchtigung, und unter anderm sollte Viktor nicht mehr die Katechismusstunde besuchen, um neue Zusammenstöße zu vermeiden!

Obwohl Bouvard und Pécuchet durch den hochfahrenden Ton verletzt waren, versprachen sie alles, was er wünschte, gaben klein bei.

War Viktor dem Antriebe des Ehr- oder dem des Rachegefühls gefolgt? Auf jeden Fall war er kein Feigling.

Doch seine Roheit erschreckte sie; die Musik würde seine Sitten mildern; Pécuchet kam auf den Gedanken, ihn die Anfangsgründe des Gesanges zu lehren.

Es machte Viktor große Mühe, die Noten fließend zu lesen und die Ausdrücke Adagio, Presto, Sforzando nicht miteinander zu verwechseln.

Sein Lehrer mühte sich ab, ihm die Tonleiter zu erklären, den Dreiklang, die diatonische, die chromatische Leiter und die beiden Arten von Intervallen, die sogenannte große und kleine Terz.

Viktor mußte sich ganz gerade hinsetzen, die Brust heraus- und die Schultern zurücknehmen und den Mund weit öffnen; und um ihn durch Beispiel zu unterrichten, gab Pécuchet selbst die Töne mit falscher Stimme an; Viktor brachte die seinige nur mit Mühe aus der Kehle, so preßte er sie zusammen; wenn der Takt mit einer Pause begann, sang er sogleich los, oder er kam zu spät.