Nichtsdestoweniger machte sich Pécuchet an den zweistimmigen Gesang. Anstatt des Bogens nahm er ein Stöckchen und bewegte seinen Arm gebieterisch hin und her, als wenn er ein Orchester dirigiert hätte; aber von zwei Verrichtungen in Anspruch genommen, kam er aus dem Takt, sein Irrtum veranlaßte neue Fehler beim Schüler, und während sie die Augenbrauen runzelten und die Halsmuskeln anspannten, fuhren sie aufs Geratewohl fort, bis sie unten auf der Seite angelangt waren.
Schließlich sagte Pécuchet zu Viktor: „Du wirst sobald noch nicht in den Gesangvereinen glänzen.“ Und er gab den Musikunterricht auf.
Locke hat übrigens vielleicht recht: „Die Musik führt in so liederliche Gesellschaft, daß man besser tut, sich mit etwas anderm zu befassen.“
Ohne einen Schriftsteller aus Viktor machen zu wollen, hielten sie es für angebracht, wenn er verstände, einen ordentlichen Brief zuwege zu bringen. Eine Überlegung hielt sie zurück: man kann den Briefstil nicht erlernen, denn er gehört ausschließlich den Frauen.
Sie gedachten sodann, ihm ausgewählte Stücke aus der Literatur ins Gedächtnis zu trichtern und, da sie in Verlegenheit waren, was sie wählen sollten, zogen sie das Werk der Frau Campan zu Rate. Sie empfiehlt die Eliacin-Szene, die Chöre aus Esther, Jean-Baptiste Rousseau ganz.
Das alles ist etwas veraltet. Was die Romane anlangt, so untersagt sie deren Lektüre, da sie die Welt in zu günstigen Farben malen.
Indessen gestattet sie „Clarissa Harlowe“ und den „Familienvater“ von Miß Opy. — Wer ist diese Miß Opy?
Sie konnten ihren Namen in der „Biographie Michaud“ nicht entdecken. Blieben die Märchen. „Sie werden sich Hoffnung auf Diamantenpaläste machen,“ sagte Pécuchet. Die Literatur entwickelt den Geist, aber sie erhitzt die Leidenschaften.
Viktorine wurde wegen der ihrigen aus der Katechismusstunde gewiesen. Man hatte sie überrascht, wie sie den Sohn des Notars küßte, und Reine verstand keinen Spaß: ihr Gesicht unter ihrer Haube mit den großen Röhrenfalten war ernst.