Bouvard antwortete ihm:

„Du wirst bei Gasparin sehen, daß der Nutzen nicht den zehnten Teil des Anlagekapitals übersteigen kann. Also täte man besser, dieses Kapital in eine Bank zu legen. Nach fünfzehn Jahren würde man durch Anhäufung der Zinsen die doppelte Summe besitzen, ohne sich die Gesundheit zu verderben.“

Pécuchet senkte den Kopf.

„Sollte die Baumzucht wohl Schwindel sein?“

„Wie die Wissenschaft vom Ackerbau!“ erwiderte Bouvard.

Dann klagten sie sich an, zu ehrgeizig gewesen zu sein, und sie beschlossen, fortan mit ihrer Mühe und ihrem Gelde sparsamer zu wirtschaften. Im Obstgarten würde ein Ausputzen der Bäume von Zeit zu Zeit genügen. Die Gegenspaliere wurden verworfen, und sie wollten die eingegangenen und umgebrochenen Bäume nicht ersetzen; doch würden sich sehr häßliche Zwischenräume ergeben, wofern man nicht alle noch stehenden wegnehmen wollte. Wie dabei verfahren?

Pécuchet entwarf mehrere Zeichnungen, wobei er sich seines Reißzeuges bediente. Bouvard gab ihm Ratschläge. Sie kamen zu keinem befriedigenden Resultat. Glücklicherweise fanden sie in ihrer Bibliothek das Werk von Boitard, „Der Gartenarchitekt“ betitelt.

Der Verfasser teilt sie in eine unendliche Anzahl von Arten ein. Zunächst gibt es da die melancholisch-romantische Art, die sich durch Immortellen zu erkennen gibt, durch Ruinen, Grabmäler und „ein Votiv-Bild mit einer Jungfrau, das die Stelle anzeigt, wo ein vornehmer Herr unter dem Stahl eines Mörders gefallen ist“. Das schreckliche Genre stellt man mit Hilfe von überhangenden Felsen, zerschmetterten Bäumen, in Brand gesetzten Hütten her; das exotische Genre, indem man peruanische Fackeldisteln pflanzt, „um einem Pflanzer oder Reisenden Erinnerungen wachzurufen“. Das ernste Genre muß gleich Ermenonville einen Tempel der Philosophie aufweisen. Die Obelisken und Triumphbögen charakterisieren das majestätische Genre. Moos und Grotten das geheimnisvolle; ein See das träumerische Genre. Es gibt sogar ein phantastisches Genre, dessen schönstes Beispiel vor kurzem in einem Garten in Württemberg zu sehen war, — denn man sah dort nacheinander einen Eber, einen Eremiten, mehrere Grabmäler und eine Barke, die von selbst vom Ufer abstieß, um den Besucher in einen Raum zu bringen, wo Wasserkünste ihn überschütteten, wenn man sich auf das Sofa setzte.

Vor diesem Horizont von Wundern waren Bouvard und Pécuchet wie geblendet. Das phantastische Genre schien ihnen Fürsten vorbehalten zu sein. Der Tempel der Philosophie würde zu viel Platz einnehmen. Das Votiv-Bild mit der Madonna würde des Sinnes entbehren angesichts der fehlenden Mörder, und die amerikanischen Pflanzen — um so schlimmer für die Pflanzer und die Reisenden — würden zu viel Geld kosten. Aber die Felsen lagen im Bereich der Möglichkeit, ebenso die zerschmetterten Bäume, die Immortellen und das Moos, — und in immer zunehmender Begeisterung stellten sie nach vielem Hin- und Hersuchen mit Hilfe eines einzigen Dieners und für eine ganz geringe Summe einen Wohnsitz her, wie er im ganzen Orte nicht seinesgleichen hatte.

Der hier und da durchbrochene Laubengang öffnete sich auf eine Anpflanzung, die nach Art eines Labyrinthes von gewundenen Alleen durchzogen war. In der Spaliermauer hatten sie eine Bogenwölbung herstellen wollen, durch die man die Fernsicht wahrnehmen sollte. Da der obere Teil sich nicht in der Schwebe halten konnte, war ein ungeheurer Mauerbruch entstanden, dessen Trümmer auf der Erde umherlagen.