Alle Gemeinplätze über Alter, Geschlecht und Temperament schienen ihnen von der höchsten Bedeutung; und sie waren glücklich, zu erfahren, daß es im Zahnstein drei Arten von Mikroben gibt, daß der Sitz des Geschmackes auf der Zunge ist und das Hungergefühl im Magen.
Sie bedauerten, daß sie nicht, um besser die Funktionen kennenzulernen, die Fähigkeit hatten, wiederzukäuen, wie sie Montègre, Herr Gosse und der Mönch von Bérard besessen hatten, und sie kauten langsam, zerkleinerten gründlich und vermischten mit Speichel, während sie in ihren Gedanken den Speisebrei in den Eingeweiden begleiteten, ihn sogar bis in seine letzten Zustände verfolgten, voll von methodischen Skrupeln, von einer fast religiösen Aufmerksamkeit.
Um künstlich die Verdauung hervorzubringen, stopften sie Fleisch in eine Phiole, in der sich der Magensaft einer Ente befand, und sie trugen sie vierzehn Tage lang unter ihrer Achselhöhle, ohne andern Erfolg als den, ihre Person zu infizieren.
Man sah sie in der Sonnenhitze mit ihren nassen Kleidern die Landstraße entlang laufen. Das geschah, um festzustellen, ob der Durst sich legt bei Anwendung von Wasser auf der Haut. Sie kehrten keuchend und beide mit einem Schnupfen zurück.
Gehör, Stimmbildung und Gesicht wurden hurtig erledigt; doch Bouvard verbreitete sich über die Frage der Zeugung.
Pécuchets Zurückhaltung in diesen Dingen hatte ihn immer überrascht. Die Ahnungslosigkeit seines Freundes schien ihm so vollständig, daß er ihn drängte, sich zu erklären, und Pécuchet machte schließlich errötend ein Geständnis.
Spaßvögel hatten ihn einst in ein übles Haus mitgeschleppt, von wo er fortgelaufen war, um sich für die Frau, die er später lieben würde, rein zu erhalten. Eine glückliche Gelegenheit hatte sich nie geboten, so daß er aus falscher Scham, Mangel an Geld, Furcht vor Krankheiten, Eigensinn, Gewohnheit, mit zweiundfünfzig Jahren trotz des Aufenthaltes in der Hauptstadt noch seine Jungfernschaft hatte.
Bouvard konnte es nur mit Mühe glauben, dann lachte er ungeheuer, hielt jedoch an, als er Tränen in Pécuchets Augen bemerkte; denn an Passionen hatte es diesem nicht gefehlt, da er sich der Reihe nach in eine Seiltänzerin, die Schwägerin eines Architekten, eine Bufettdame und zuletzt in eine kleine Wäscherin verliebt hatte; und die Ehe sollte schon geschlossen werden, als er entdeckte, daß sie von einem andern schwanger war.
Bouvard sagte zu ihm: