Pécuchet bildete sich ein, der Gebrauch der Prise könnte schlimme Folgen haben. Übrigens bewirkte das Niesen zuweilen ein Aderplatzen, — und er gab das Schnupfen auf. Gewohnheitsmäßig griff er mit den Fingern in die Tabakdose; dann erinnerte er sich plötzlich seines Leichtsinns.
Da schwarzer Kaffee die Nerven aufregt, wollte Bouvard auf seine kleine Tasse verzichten; aber er schlief nach den Mahlzeiten ein und wurde beim Erwachen von Schrecken ergriffen, denn der verlängerte Schlaf ist eine drohende Ankündigung des Schlagflusses.
Ihr Ideal war Cornaro, jener venezianische Edelmann, der kraft einer geregelten Lebensweise ein äußerst hohes Alter erreichte. Ohne ihn vollständig zum Vorbild zu nehmen, kann man dieselben Vorsichtsmaßregeln anwenden, und Pécuchet entnahm seiner Bibliothek ein Handbuch der Hygiene von Dr. Morin.
Wie hatten sie es nur angestellt, bis dahin zu leben? Die Gerichte, die sie liebten, waren in dem Buche untersagt. Germaine wußte in ihrer Verlegenheit nicht, was sie ihnen vorsetzen sollte.
Jedes Fleisch hat seine schlimmen Folgen. Rotwurst und kalter Aufschnitt, saurer Hering, Hummer und Wild sind „widerspenstig“. Je größer ein Fisch ist, desto mehr Gallerte besitzt er und desto unverdaulicher ist er. Die Gemüse verursachen saures Aufstoßen, die Makkaroni erzeugen Träume, die Käse sind, „im allgemeinen betrachtet, von schwieriger Verdauung“. Ein Glas Wasser am Morgen ist „gefährlich“. Jedem Getränk oder Nahrungsmittel folgte ein ähnlicher Hinweis oder eins der Worte: „schädlich!“ — „man hüte sich vor dem Zuviel!“ — „bekommt nicht jedermann!“ — Warum schädlich? Wo ist das Zuviel? Wie wissen, ob diese Sache einem bekommt?
Welch ein Problem war nicht das Frühstück! Sie verzichteten auf den Milchkaffee wegen seines schrecklichen Rufes und dann auf die Schokolade; — denn sie ist „eine Anhäufung von unverdaulichen Stoffen“. Blieb also der Tee. Aber „nervöse Leute müssen sich ihn vollständig versagen“. Indessen verordnete im siebzehnten Jahrhundert Decker zwanzig Dekaliter täglich davon, um die Sümpfe der Bauchspeicheldrüse zu reinigen.
Dieser Aufschluß erschütterte ihre Achtung vor Morin, und das um so mehr, als er alle Kopfbedeckungen, Hüte, Mützen und Kappen verwirft, eine Forderung, die Pécuchet empörte.
Da erstanden sie die Abhandlung von Becquerel, woraus sie sahen, daß das Schwein an sich „ein gutes Nahrungsmittel“, der Tabak von vollständiger Unschädlichkeit und der Kaffee „Militärpersonen unerläßlich“ ist.
Bis dahin hatten sie an die Ungesundheit feuchter Orte geglaubt. Weit gefehlt! Casper erklärt sie für weniger todbringend als andere. Man badet nicht im Meer, ohne seine Haut erfrischt zu haben. Bégin will, daß man sich in vollem Schweiß hineinwirft. Der unvermischte Wein nach der Suppe gilt für ausgezeichnet für den Magen. Levy wirft ihm vor, die Zähne zu verderben. Und endlich die Unterjacke, dieser Schirm, dieser Gesundheitsschutz, dieses teure Palladium Bouvards, das auch von Pécuchet unzertrennlich war, ohne Umschweife und ohne Furcht vor der allgemeinen Meinung widerraten es die Verfasser vollblütigen und sanguinischen Menschen.