„Ich habe einen Mantel“, antwortete er.

„So!“

Sie wandte sich wieder um, das Kinn gesenkt. Das Licht glitt über ihre vorgebeugte Stirn wie über glatten Marmor bis hinab in die Augenbrauen. Man konnte nicht sehen, was in ihren Augen geschrieben stand, noch was die Gedanken dahinter sannen.

„Also adieu!“ seufzte Leo.

Sie hob den Kopf mit einer jähen Bewegung.

„Ja, adieu! Sie müssen gehen!“

Sie kamen aufeinander zu. Er reichte ihr die Hand hin. Sie zögerte.

„Sozusagen ein französischer Abschied!“ meinte sie, indem sie ihm die Hand überließ. Dabei lächelte sie gezwungen.

Leo fühlte ihre Finger in den seinen. Es kam ihm vor, als ströme ihr ganzes Ich in seine Haut. Als er seine Hand wieder öffnete, begegneten sich beider Augen noch einmal. Dann ging er.

Als er unter den Hallen war, blieb er stehen, wobei er sich hinter einem Pfeiler verbarg. Er wollte ein letztes Mal ihr weißes Haus mit seinen vier grünen Fensterläden sehen. Da vermeinte er, ihren Schatten hinter der Gardine ihres Zimmers zu erblicken. Aber der Vorhang hatte sich wohl von selbst gebauscht und fiel nun wieder langsam in seine langen senkrechten Falten zurück, in denen er dann regungslos stehen blieb wie eine Mauer von Gips. Leo eilte von dannen.