Unbezähmbare Neugier ergriff ihn, und wie ein Kind, das nach einer unbekannten Frucht greift, berührte er Salambo zitternd mit der Spitze eines Fingers oben am Busen. Das kühle Fleisch gab mit elastischem Widerstand nach.
Diese kaum fühlbare Berührung erregte Matho bis in das Mark feiner Knochen. Eine wilde Wallung durchflutete seinen ganzen Körper und drängte ihn jäh nach ihr hin. Er hätte sie umschlingen, sie in sich saugen, sie trinken mögen. Seine Brust keuchte, seine Zähne klapperten aufeinander.
Er ergriff Salambo bei den Handgelenken und zog sie sanft an sich. Dann ließ er sich auf einen Harnisch neben dem Lager aus Palmzweigen nieder, auf dem ein Löwenfell ausgebreitet war. Salambo blieb aufrecht stehen. Er hielt sie zwischen seinen Schenkeln und schaute sie vom Kopf bis zu den Füßen an. Immer wieder sagte er.
»Wie schön bist du! Wie schön bist du!«
Seine Blicke, die unablässig auf ihre Augen gerichtet waren, taten ihr weh, und dieses Mißbehagen, dieser Widerwille wurde ihr so schmerzhaft, daß sie an sich halten mußte, um nicht aufzuschreien. Schahabarim fiel ihr ein. Sie fügte sich.
Matho hielt ihre kleinen Hände immerfort in den seinen, aber von Zeit zu Zeit wandte Salambo trotz des priesterlichen Gebotes den Kopf weg und versuchte, sich durch eine Armbewegung loszumachen. Er sog mit weitgeöffneten Nasenflügeln den Duft ein, der von ihr ausströmte, einen unbestimmbaren Geruch, frisch und doch betäubend wie Weihrauch, einen Duft von Honig, Gewürz, Rosen und allerlei Seltsamkeiten.
Aber wie kam sie zu ihm? In sein Zelt, in seine Gewalt? Ohne Zweifel hatte jemand sie dazu angestiftet. War sie wegen des Zaimphs gekommen? Seine Arme fielen schlaff herab. Er neigte den Kopf und versank in schwermütige Träumerei.
Um ihn zu rühren, sagte sie mit klagender Stimme:
»Was habe ich dir getan, daß du meinen Tod willst?«
»Deinen Tod?«