»Wir verstehen uns nicht, das weißt du seit Monaten,« sagte er. Sein Gesicht war harlekinweiß und hochfahrend geworden wie das Ludwigs bei solchen Anlässen. Seine Augen sahen eisig und nadelspitz zu mir hin. »Ein weiteres Hin und Her würde deine Anschauungen und Beschlüsse nicht zu ändern vermögen. Bitte, sage: ja oder nein?«
In meinem bohrenden Hirn schnellten Erwägungen, Entwürfe, Vermittlungen auf, aber ich erkannte sie alle als gleich schöne Dichtungen. Meine Söhne wollten Tatsächlichkeiten. Immer ein Ja oder Nein ... mit der Pistole in der Hand ...
Hatte ich es ausgesprochen? Gab es sekundenflinke Suggestion? Henno hatte seine Hand in die Tasche gesenkt, hielt etwas umkrallt.
Träumte ich einen Schreckenstraum? Vorstellungen rasten an mir vorbei, fielen ineinander ... Vor dem offenen Fenster toste in Urgewalt das Gewitter. Wolkenbrüche stürzten sich auf die gezerrten Bäume, vernichteten Farbiges, Blühendes, Leuchtendes. Aus Augenblicken schwarzer Finsterkeit, aus tiefem Niederbruch hob sich hier, da ein Baumast, flehend wie Menschenarm, eine Blume, betend wie Menschenauge, fanatisch: »Komm, zerstöre auch mich ...«
»Ja oder nein!« wiederholte jemand. War es Henno? Oder wer sonst? ... Wer? Doch ... ich ... wußte es ja ... der Sohn, der den Vater erschießen kam ... Oder mein Sohn, Henno? Hatten sie es nicht gelobt in jenem Buche? ...
»Und wenn ich mich nicht ... so zwingen ließe ... Henno ... sag's erst ... wenn ich bei meinem ›Nein‹ verharrte?«
»Ich kann nicht zurück in das Bodenlose, in die Unbekanntheit ... Niemals! ...«
»Henno, deine Mutter, die Beraubte, die Gekränkte, bittet, fleht zu dir: Gib mir mein Werk zurück! Laß uns Wege zu ihm suchen, so wirr und so mühselig sie sein sollten, wir wollen sie gehen, Hand in Hand ...«
»Wir würden keinen finden, der das Werk da dir rettet ... Die Skizzen dazu künden meinen Namen ... Es gibt für mich kein anderes ... Keinen Kompromiß. Nur ein Ja oder Nein ... von deinen Lippen ...«
Meine Lippen ließen nicht voneinander, verkrampften sich fest an den Rändern.