Der Garten ächzte und schrie unter den peitschenden Hieben vom Sturm und den Wolkengüssen. Die Fenster zerrten kreischend an ihren Angeln. Feurige Schwerter durchflogen die Luft und rissen gezackte Wunden ins Dunkel. Eins zerstieß mir das Herz und brannte, brannte ...
Meine Lippen konnten sich nicht aus ihrer Starrheit erlösen. Schaurig, beutebereit, wie eine Horde wilder Bestien brüllten die Donner, in meinem Hirn schrie ihr Echo ...
Die Hand Hennos hob sich schneeweiß auf grauem Gebilde ... Zögernd noch ...
»Jetzt zielt er,« blitzte mir ein Gedanke zu, »wie bei seinem Lieblingsdichter ... Nur ... bin ich viel zu gesund noch zum Herzschlag ...«
Die Hand hob sich höher ... zu Hennos Kopf ...
Sein Gesicht war grünlich, spitz und hart wie der Tod.
Wer wirbelte all diese Bilder einen Pulsschlag lang auf? Henno, den Säugling mit atlaßnen Härchen, die Händchen kosend mir an den Wangen. Henno, den Schüler, mir an der Hand. Und mein Glück bei seinen kindhaften Malereien. Henno im Krankenbett, und ich in leisen Schneefallnächten sein Leben von neuem erkämpfend. Henno ... am Boden liegend ... aus schwarzer, kaum sichtbarer Öffnung sein Blut verströmend, sein purpurrotes ... sein geliebtes Blut hinströmend ...
»Henno,« meine Lippen waren weit aufgetan, »Henno, ja ... ich schenke es dir, Henno ... mein Bild ... da ... hast ... du ... es ...«
Und in Hast, vor dem totverblaßten Jüngling, schnitt ich ins Fleisch meines Werkes ... kreuz und in die Quere. Und längshin und in die Breite ...
Und hielt ihn und tastete seine Glieder an, die unversehrten. Und aus der Ferne, aus einem entschollenen, verlorenen Leben tropften Worte in meine brennende Herzenswunde. Verse einer bretonischen Ballade. Vom Sohne, der seiner Liebsten das Herz der Mutter für ihre Gunst bringen sollte, das Herz seiner Mutter für ihren Hund.