»Morgen gehen wir in die Welt, um deine Eltern zu suchen. Gott gebe, daß wir sie bald finden, denn ich bin schon sehr alt, und ich möchte dich doch bei deinen Eltern wissen, bevor ich sterbe.«
Sie reisten ein, zwei, drei Tage, und der kleine Heinrich war sehr erstaunt, andere Kinder zu sehen, und Frauen, die nicht so alt als die alte Räuberin, noch so schön als seine Mutter waren.
Sie gingen durch Städte und Dörfer, und kamen endlich zu einer großen Wiese, wo ein Mädchen Gänse hütete. Das Mädchen war nicht froh, sie weinte bitterlich, und der gute Einsiedler trat zu ihr und sagte:
»Mein Kind, warum weinen Sie so sehr? Kann ich Ihnen nicht helfen?«
»Ach nein,« schluchzte das Mädchen. »Niemand kann mir helfen! Ich bin so unglücklich, weil ich meiner Herrin nicht Wort gehalten habe. Ich hatte ihr versprochen, ihren Sohn gut zu hüten. Aber als das Kind schlief, habe ich es einmal allein gelassen, um in dem Hofe mit anderen Dienern zu tanzen. Das Kind wurde gestohlen, und meine Herrin ist jetzt allein und so traurig! Ich werde nie glücklich sein, bis das Kind wieder nach Hause kommt, und ich habe schon sechs Jahre lang Tag und Nacht Gott gebeten, das Kind wieder heimzubringen.«
Der alte Einsiedler, der allem erstaunt zugehört hatte, sagte:
»Nun, mein Kind, vielleicht hat Gott Ihr Gebet endlich erhört! Sehen Sie dieses? Kennen Sie diese schöne Frau?« und der Einsiedler zeigte ihr das Bild.
»Ach ja, das ist meine liebe Herrin!« rief das Mädchen. »Und das ist das Bild, das mit dem Kinde gestohlen wurde! Sagen Sie mir, wie ist es in Ihre Hände gekommen?«
Der alte Mann sagte ihr, wie ein kleiner Knabe, sieben Jahre alt, aus dem Berge kam, und daß er das Bild »Mutter« nannte.
»Gott sei Dank!« rief das Mädchen. »Das Kind ist gefunden! Wo ist es, ich muß es sehen.«