3. In sicherer Hut.

In einer der schönsten Straßen in Dresden steht ein steinernes Haus. In diesem Hause wohnt eine glückliche Familie, bestehend aus Vater, Mutter, und drei Kindern. Die älteste Tochter ist fünfzehn Jahre alt, der einzige Knabe zwölf Jahre alt, und das jüngste Kind, die kleine Rita, ist erst fünf Jahre alt.

Dieses kleine Mädchen liebt das Stadtleben nicht. Sie ist viel glücklicher auf dem Lande, und sie freut sich immer, wenn die Ferien herankommen, daß sie Dresden wieder verlassen kann.

Eines Tages stürmte sie in das Zimmer, wo ihr Vater in einem Lehnstuhl saß, seine große Zeitung lesend.

„Vater, lieber Vater, morgen fangen die Ferien an! Wann können wir auf das Land gehen?“

Der Vater küßte das Kind und erwiderte zärtlich: „Wir reisen übermorgen ab, und diesmal gehen wir in die Berge, wo es noch viel schöner ist, als auf dem Lande.“

Rita tanzte vor Freude, als sie dieses hörte, und als sie drei Tage später in dem kleinen Gasthof hoch auf dem Berge ankamen und sie die schönen Wälder und die herrlichen Blumen sah, war sie sehr glücklich.

Rita sprang herum bis der Vater sie mit einer kleinen Heuschrecke verglich. Er schickte sie bald ins Freie unter Aufsicht der Gouvernante, die das Kind ja nicht aus den Augen lassen sollte, denn es waren viele gefährliche Stellen im Walde, wo man sich leicht hätte verirren können.

Nicht sehr weit von dem einsamen Gasthofe war eine kleine Hütte, wo ein Holzhacker mit seiner Familie wohnte. Die Holzhackerfamilie bestand aus fünf barfüßigen Knaben, welche die vornehmen Kinder erstaunt ansahen.

Der jüngste von diesen Knaben, der kleine Hans, konnte seine Augen von dem fremden Knaben nicht abwenden, denn dieser hatte eine Peitsche, die er laut knallen ließ.