Diese Leute sind sehr arm, wie die meisten Bergbewohner. So lange der Vater lebte und verdienen konnte, [ging es ihnen] gut, aber seit seinem Tode muß die arme Frau von früh morgens bis spät abends arbeiten, damit die zwei Kleinen genug zu essen bekommen.

Während des Sommers spielen die Kinder draußen, und obgleich die Mutter so viel zu thun hat, sind ihre Kleider immer rein, sowohl wie ihre munteren Gesichtchen.

Da die Kinder keine warmen Kleider haben, weder Mäntel noch Mützen, noch Stiefel und Schuhe, bleiben sie während des langen Winters immer im Hause, wo sie jedoch kein Spielzeug haben.

Wenn die Mutter Zeit hat, erzählt sie ihnen Geschichten, während sie sich mit Stricken oder Spinnen beschäftigt, denn nur so kann sie etwas für ihre Kinder verdienen.

Als Basti acht Jahre alt wurde, war der Herbst sehr rauh und schon im Oktober fiel tiefer Schnee und ging nicht mehr weg. Die zwei Kinder blieben jetzt beim Ofen, nur die Mutter ging dann und wann hinaus, um Arbeit zu suchen oder abzuliefern und um Nahrungsmittel einzukaufen.

Den Berg hinunter zu gehen war fast unmöglich, denn der Schnee lag sehr tief; aber die gute Mutter bahnte sich doch einen Weg. Wenn sie Arbeit bekam, kam sie glücklich nach Hause, und, obschon sie so müde war, setzte sie sich gleich fleißig an das Stricken oder Spinnen.

Oftmals aber konnte sie nichts verdienen; dann konnte sie kein Brot kaufen, und da mußten sich Mutter und Kinder mit der Milch der mageren Ziege begnügen.

Die Kinder gingen immer früh zu Bett, doch die Mutter saß stundenlang an der Arbeit, während draußen der kalte Wind heulte und pfiff. Die gute Mutter sang dann gewöhnlich ein Lied, damit Fränzchen den heulenden Wind nicht höre; aber an einem Winterabend konnte sie nicht singen.

Das Kind lag im Bette mit weit offenen Augen und schaute der Mutter zu, endlich sagte es:

„Aber, Mutter, warum singst du doch nicht?“