„Ach, ich kann nicht,“ seufzte die müde Frau, und preßte die Hand an die Brust, wo sie oft einen Stich fühlte nach ihren anstrengenden Wanderungen zum Dorfe im Thal.
„Aber ich kann singen!“ rief Basti und fing an mit fester, klarer Stimme das Lied zu singen, das die Mutter ihnen bisher immer als Schlaflied gesungen hatte.
Als die Mutter die schöne klare Stimme hörte, schoß ihr plötzlich ein Gedanke durch den Kopf.
„Basti,“ sagte sie, „wenn du willst, kannst du mir helfen, etwas zu verdienen.“
„Ach, Mutter, das will ich gern thun,“ rief der kleine Sohn und wollte sogleich aus dem Bette springen. Die Mutter aber sprach:
„Bleibe im Bett, mein Kind. Morgen werde ich dir ein Lied lehren, und am Neujahrstag kannst du es den Dorfleuten vorsingen. Dann geben sie dir Brot und vielleicht sogar Kuchen und Nüsse.“
Der kleine Basti freute sich so über den Gedanken, der Mutter helfen zu können etwas zu verdienen, daß er fast nicht einschlafen konnte; und, als ihm die Augen endlich zufielen, träumte er von Kuchen und Nüssen, die so gut schmeckten.
Kaum war er des Morgens erwacht, so wollte er gleich das Lied lernen, aber die Mutter sagte, daß er warten müsse, bis sie mit der Arbeit fertig sei, und sie sich ruhig hinsetzen könne.
Der Tag schien dem ungeduldigen Basti sehr lang, und er erzählte dem Fränzchen mehrmals, daß er ein Lied lernen solle, und daß er am Neujahrsabend Brot und vielleicht sogar Kuchen und Nüsse heimbringen werde.