Als es dunkel geworden und die Mutter die kleine Lampe angezündet hatte, und die Strickarbeit zur Hand nahm, fing sie an, den ersten Vers des Liedes zu singen. Sie wiederholte denselben mehrmals und bald sang Basti mit. Das Fränzchen, das dem Bruder Alles nachmachte, fing auch an zu singen, und ihre Stimme war so rein (klar), daß die Mutter erstaunte.

Die Kinder waren beide so aufmerksam, daß sie das Neujahrslied bald singen konnten, obschon es vier lange Verse hatte.

Neujahrsmorgen kam, die Mutter ging zur Kirche, und als sie nach Hause kam, rief sie die zwei Kinder zu sich, zog ihnen die warmen Strümpfe an, die sie nachts für den kalten Gang gestrickt, und hieß Basti seines Vaters Schuhe anziehen. Zuletzt wickelte sie das kleine Mädchen in das Tuch, das sie gewöhnlich selbst umlegte.

Die Mutter trug das Fränzchen den Berg hinunter, denn der Schnee war so tief, daß sie nicht gehen konnte bis sie in das Dorf kamen, wo man Pfade gemacht hatte, und wo das Gehen nicht so schwer war.

Zuerst gingen sie in den Gasthof des Dorfes und da sangen die Kinder ihr Lied so lieblich, daß die Gäste sie sehr lobten, und mehrere Pfennige aus der Tasche zogen, um sie den glücklichen Kindern zu geben.

Die Frau des Hauses war auch sehr freundlich. Sie gab ihnen Brot und jedes Kind bekam eine große Handvoll Nüsse und ein großes Stück Kuchen. Basti war so froh, daß er laut und herzlich dankte; die kleine Schwester aber war schüchtern, und dankte nur leise, obgleich sie vor Freude rosenrot war.

Die Kinder besuchten noch fünf oder sechs Häuser und bekamen mehr Pfennige, Brot, Kuchen und Nüsse. Als sie aus dem sechsten Hause kamen, war es so bitterkalt, daß die Mutter, die draußen gestanden, es nicht mehr aushalten konnte. Das zarte Mädchen zitterte auch und konnte vor Kälte nicht mehr singen, so nahm sie die Mutter wieder auf den Arm und kletterte mühsam mit ihr den Berg hinauf, während Basti voraus lief so schnell es ihm die großen Schuhe erlaubten.

Als sie wieder daheim angelangt, und als Hände und Füße wieder warm waren, holte Basti den Korb herbei. Die Kinder bekamen jetzt zum Abendessen Brot, ein Stück Kuchen, und einige Nüsse, und feierten so einen fröhlichen Neujahrsabend.

Die Mutter war auch froh und sehr dankbar; sie hatte nun Brot genug für mehrere Tage und in dem Korbe fand sie einige Pfennige, die sie sehr gut brauchen konnte.