Die Mutter öffnete jetzt das Bündel. Darin waren warme Kleider für Mutter und Kinder, Kuchen, Zuckerwerk, Nüsse, und Spielzeug, und in der Tasche des warmen, wollenen Kleides, das ihr bestimmt war, fand die Mutter eine kleine Börse. Darin waren eben so viele Thaler wie Herren, und auf einem kleinen Stück Papier standen diese Worte:
„Und wer nur Gott zum Freunde hat,
Dem hilft er allerwegen!“
7. Rosa von Tannenburg.
In Schwaben stand ehemals ein stattliches Schloß, worin der Ritter von Tannenburg, dessen Gemahlin und ihre kleine Tochter Rosa glücklich lebten. Sie waren gute, fromme Leute, liebten einander innig, und ihre Unterthanen und Diener waren immer wohl versorgt.
Der Ritter mußte oft in den Krieg ziehen, aber obgleich er der tapferste Mann in dem Kaiserheer war, und die Feinde ihn fürchteten, war er immer sehr sanft und gut gegen die Armen und Unglücklichen.
Als Rosa von Tannenburg siebzehn Jahr alt war, wurde ihre angebetete Mutter plötzlich sehr krank, und obgleich die besten Ärzte so schnell wie möglich herbei geholt wurden, ward ihr Zustand immer gefährlicher.
Als sie den herankommenden Tod fühlte, rief sie ihr Kind zu sich ans Bett und sagte:
„Rosa, mein viel geliebtes Kind, du mußt mir jetzt beistehen. Sei mutig, meine Tochter, und höre, was ich dir sagen möchte, noch ehe ich scheide.