„Nun, das Weinen hilft Nichts. Mein armer, verwundeter Vater ist in des grausamen Grafen Gewalt. Ich muß ihn sobald als möglich retten; da ich doch nicht allein reisen kann, um seine Freunde aufzusuchen, muß ich den Kohlenbrenner aufsuchen, und das so schnell als möglich.“

Rosa schritt mutig in den dichten Wald hinein, und ging langsam vorwärts, bis sie am Morgen früh die bezeichnete Eiche fand. Sie war jetzt so müde und von dem Schreck so angegriffen, daß sie sich sehr schwach fühlte. Nach einiger Zeit ging sie weiter, aber da ihre dünnen Schuhe jetzt ganz zerrissen, und ihre des Gehens ungewohnten Füße blutig waren, kam sie nur sehr langsam und sehr mühsam vorwärts.

Es war Abend ehe sie in einiger Entfernung ein Feuer sah, und als sie schmerzlich hinkend dahin kam, wurde sie von dem erstaunten Kohlenbrenner, dem Diener ihres Vaters, freudig empfangen.

„Ach, gnädiges Fräulein, wie kommen Sie hierher, zu dieser Stunde, allein und zu Fuß?“

In einigen flüchtigen Worten erzählte sie ihm Alles, und als Burkhart hörte, daß sein Herr von dem Grafen gefangen genommen worden, war er sehr böse.

„Weinen Sie nicht, gnädiges Fräulein!“ rief er. „Sie werden einige Tage hier im Walde mit meiner Frau und Tochter zubringen. Unterdessen werde ich die Freunde Ihres Vaters aufsuchen und sie werden den bösen Grafen schwer bestrafen für diesen Betrug.“

Er brachte das erschöpfte Mädchen in sein Haus, wo seine Frau und seine Tochter sie freundlich und dienstfertig empfingen, und nachdem Rosa ihnen Alles ausführlich mitgeteilt, rief der Kohlenbrenner erstaunt:

„Nein, ich kann nicht verstehen, daß der Graf Sie nicht auch ins Gefängnis brachte. Er muß doch vermuten, daß Sie die Freunde Ihres Vaters aufsuchen werden! Vielleicht bereut er es schon, daß er Sie nicht auch binden ließ, und vielleicht sendet er schon heute seine Reiter aus, um Sie einzuholen. Ich will in das Dorf gehen. Niemand weiß, daß ich der Knecht des Ritters von Tannenburg gewesen. Da werde ich lauschen, und ich werde bald hören, ob man Sie suchen wird.“

Burkhart, der Kohlenbrenner, brach sogleich auf, kam bald in das Dorf von Fichtenburg, ging ins Wirtshaus, setzte sich an einen Tisch, und trank sein Bier langsam, augenscheinlich, ohne sich um irgend Etwas zu bekümmern. Aber dennoch lauschte er jedem Gespräch aufmerksam.