„Nun, Ihr könnt mein Haus durchsuchen,“ lachte der Kohlenbrenner, „und wenn Ihr klug genug seid, ein gnädiges Fräulein darin zu finden, möchte ich es wissen,“ fügte er hinzu, nachlässig in seinem Garten weiter arbeitend. Die Knechte gingen in das Haus, wo eine Bäuerin und ihre zwei Töchter beschäftigt waren, und sie erkannten die hochgeborene Jungfrau von Tannenburg nicht in ihrem ärmlichen Anzug. Sie gingen bald fort und obwohl andere Männer auch dahin kamen, um das gnädige Fräulein zu suchen, so erkannte keiner Rosa.

Nach einigen Tagen ging der Kohlenbrenner wieder in das Dorf, wo er die Knechte sagen hörte, daß der Graf von Fichtenburg das gnädige Fräulein nicht mehr suchen lassen werde, da er jetzt dächte, daß sie während der dunklen Nacht in den Strom gefallen und darin ertrunken sei.

Burkhart ging jetzt zufrieden nach Hause, und am folgenden Morgen brach er früh auf, um die Freunde seines Herrn aufzusuchen, und ihnen seine Not zu klagen. Rosa betete unterdessen Tag und Nacht für ihren armen, gefangenen Vater, und als der Kohlenbrenner nach Hause kam, eilte sie ihm entgegen und fragte ängstlich:

„Nun, Burkhart, wann kommen die Freunde meines Vaters, um ihn zu befreien?“

„Ach, gnädiges Fräulein,“ erwiderte der Kohlenbrenner traurig, „ich bin überall hingegangen, aber alle Ritter sind jetzt abwesend. Der Kaiser hat sie alle gerufen. Alle sind fort, und die Frauen, Kinder und unfähigen Diener sind allein in den Schlössern. Alle die Edelfrauen bedauerten Ihren kläglichen Zustand, aber sie werden Nichts thun können, bis der Krieg zu Ende ist.“

„Dann wird mein armer Vater tot sein!“ rief Rosa verzweifelnd. „Er ist zu krank um das Kerkerleben auszuhalten.“

Das arme Mädchen weinte bitterlich und sann Tag und Nacht, wie sie dem lieben Vater helfen könnte. Eines Nachmittags ging sie mit Anna, des Kohlenbrenners Tochter in den Wald, um Morcheln zu suchen. Bald sagte Anna: „Ich habe mir schon manches Kleid mit diesen Morcheln verdient. Der Graf von Fichtenburg ißt sie sehr gern, und jedesmal wenn ich einen Korb voll in das Schloß trage, bekomme ich einen guten Preis dafür.“

Da ging Rosa ein Licht auf, sie sagte ihrer Gefährtin nichts davon, aber als sie wieder in das kleine Haus gekommen, rief sie den Kohlenbrenner zu sich und sprach:

„Lieber Burkhart, ich muß den Vater sehen, oder wenigstens einen Versuch machen, Nachrichten von ihm zu haben. Du kannst nicht in das Schloß gehen, man würde dich dort als einen Vasallen meines Vaters erkennen. Ich bin so gut verkleidet, daß Niemand das gnädige Fräulein von Tannenburg unter dieser braunen Farbe und den groben Kleidern erkennen wird. Ich will morgen dahin gehen, unter dem Vorwand, Morcheln zu verkaufen. Vielleicht kann ich mich nach dem Wohlsein meines teuren Vaters erkundigen, ohne mich zu verraten.“